Rechner in der Praxis

Heizkörper-Rechner: Drei Räume bei 45/35 °C vergleichen

Das Wohnzimmer wird warm, das Bad bleibt kühl. Muss deshalb die Vorlauftemperatur für das ganze Haus steigen? Wir rechnen drei Räume mit denselben Wassertemperaturen durch und zeigen, warum eine hohe Wattzahl im Katalog allein wenig entscheidet.

Heizkörper in Wohnzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer eines Wohnhauses
Drei Räume, unterschiedliche Heizflächen: Im wärmeren Bad fällt die nutzbare Temperaturdifferenz kleiner aus.
In diesem Artikel

Kurz eingeordnet

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Bei 45/35 °C decken im Modell Wohnzimmer und Schlafzimmer ihre Heizlast; dem Bad fehlen rund 245 W.

  2. Auch 50/40 °C reichen im angenommenen Bad noch nicht: 648 W stehen 700 W Heizlast gegenüber.

  3. Der Herstellerexponent und die tatsächlichen Raumdaten zählen. 1,3 ist hier eine ausdrücklich angenommene Rechengröße.

Die Frage lautet: Welcher Raum begrenzt die Temperatur?

Vor dem Wechsel zur Wärmepumpe möchten viele Eigentümer wissen, welche Heizkörper bleiben können. Dafür hilft eine Liste je Raum mehr als die Summe aller Katalogleistungen. Überschüssige Leistung im Schlafzimmer gleicht fehlende Wärme im geschlossenen Bad nicht automatisch aus.

Unser Heizkörper-Rechner vergleicht eine bekannte Nennleistung mit der Heizlast eines einzelnen Raums. Er rechnet weder die gesamte Anlage noch drei Zimmer gleichzeitig. Für den Vergleich führen Sie deshalb drei getrennte Eingaben durch und notieren die Ergebnisse. Anschließend ändern Sie nur Vorlauf und Rücklauf und wiederholen die Durchgänge.

Die allgemeinen Fragen zu Heizkörpertypen und hydraulischem Abgleich behandelt unser Altbau-Ratgeber. Hier geht es um die konkrete Bedienung und einen vollständigen Zahlenvergleich. Alle folgenden Raum- und Leistungsdaten sind Modellannahmen, kein dokumentiertes Kundenprojekt und keine Messreihe.

Diese Angaben brauchen wir für jeden Raum

Die Raumheizlast gehört zur gewünschten Innentemperatur und zum örtlichen Auslegungstag. Ein Jahresverbrauch in kWh ist dafür keine direkte Eingabe. Ebenso wenig lässt sich die Gebäudeheizlast einfach gleichmäßig auf die Zimmer verteilen. Für unser Beispiel setzen wir die drei Raumheizlasten voraus; wir leiten sie nicht aus Quadratmetern ab.

Die Nennleistung muss zur genauen Baugröße und Ausführung des vorhandenen Heizkörpers passen. Notieren Sie Hersteller, Serie, Typ, Höhe, Länge und Anschluss. Lesen Sie neben der Wattzahl die Bezugs-Übertemperatur ab. Eine Angabe bei ΔT 30 K darf nicht als Leistung bei ΔT 50 K eingetragen werden.

Bremos technische Wärmeleistungstabellen erläutern die Bezugsbedingungen 75/65/20 °C sowie die Umrechnung. Die Herstellerunterlage ist hier eine methodische Quelle, kein Nachweis für die angenommenen Heizkörper unseres Beispiels. Wir verwenden durchgängig ΔT 50 K und setzen n = 1,3 ausdrücklich als Modellannahme. Beim eigenen Produkt übernehmen Sie den Herstellerexponenten.

Wohn- und Schlafzimmer sollen im Modell 20 °C erreichen, das Bad 24 °C. Diese Temperaturen sind gewählte Komfortziele, keine pauschale Vorgabe für jedes Haus in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die angenommene Badheizlast von 700 W gilt bereits für 24 °C.

Angenommene Eingaben für drei getrennte Rechendurchgänge; keine Produktdaten
RaumRaumtemperaturRaumheizlastNennleistung bei ΔT 50 KExponent n
Wohnzimmer20 °C1.200 W4.000 W1,3 angenommen
Schlafzimmer20 °C600 W2.200 W1,3 angenommen
Bad24 °C700 W2.000 W1,3 angenommen

Das Wohnzimmer Schritt für Schritt eingeben

Öffnen Sie den Rechner und tragen Sie bei „Raumheizlast“ 1200 W, bei „Nennleistung des Heizkörpers“ 4000 W und bei „Bezugs-Übertemperatur der Nennleistung“ 50 K ein. Setzen Sie den geplanten Vorlauf auf 45 °C, den Rücklauf auf 35 °C und die Raumtemperatur auf 20 °C. Im Feld „Heizkörperexponent“ steht für diesen Modellfall 1,3.

Zuerst bildet das Werkzeug den arithmetischen Mittelwert des Heizwassers: (45 + 35) ÷ 2 = 40 °C. Davon zieht es die Raumtemperatur ab: ΔT = 40 − 20 = 20 K. Eine Temperaturdifferenz wird in Kelvin angegeben; hier entsprechen 20 K einem Abstand von 20 Celsiusgraden.

Danach folgt die im Tool hinterlegte Potenzformel: P = Pₙ × (ΔT ÷ ΔTₙ)ⁿ. Mit unseren Eingaben ergibt sich P = 4.000 W × (20 ÷ 50)^1,3 = 1.215,45 W. Der Umrechnungsfaktor beträgt rund 0,30386. Die verfügbare Modellleistung liegt somit bei rund 30,4 Prozent der angenommenen Katalogleistung.

Die Deckung berechnet sich als Leistung geteilt durch Raumheizlast: 1.215,45 ÷ 1.200 × 100 = 101,29 Prozent. Das Tool rundet auf ganze Watt und Prozent. Für den Vergleich unten zeigen wir die Deckung mit einer Nachkommastelle. Rechnen Sie intern mit ungerundeten Faktoren weiter.

45/35 °C: Zwei Räume passen rechnerisch, einer nicht

Für das Schlafzimmer ändern Sie Raumheizlast und Nennleistung auf 600 und 2200 W. Die Temperaturen und n bleiben gleich. Deshalb gilt derselbe Faktor 0,30386. Das Ergebnis beträgt 668,50 W, entsprechend 111,4 Prozent Deckung.

Beim Bad wechseln Sie zusätzlich die Raumtemperatur auf 24 °C. Die mittlere Wassertemperatur bleibt 40 °C; die Übertemperatur sinkt jedoch auf 16 K. Nun gilt P = 2.000 × (16 ÷ 50)^1,3 = 454,70 W. Gegenüber 700 W Bedarf fehlen 245,30 W. Das wärmere Komfortziel verringert also die Wärmeabgabe bei unveränderten Wassertemperaturen.

Modellergebnisse bei 45/35 °C; ΔT arithmetisch, n = 1,3 angenommen
RaumNennleistung ΔT50ΔT im BetriebUmgerechnete LeistungRaumheizlastDeckung
Wohnzimmer · 20 °C4.000 W20 K1.215 W1.200 W101,3 %
Schlafzimmer · 20 °C2.200 W20 K668 W600 W111,4 %
Bad · 24 °C2.000 W16 K455 W700 W65,0 %

Was ändern 50/40 und 55/45 °C?

Im zweiten Durchgang setzen Sie Vorlauf und Rücklauf auf 50 und 40 °C. Raumheizlasten, Katalogleistungen und Komfortziele bleiben unverändert. Bei 20 °C Raumtemperatur ergibt sich jetzt ΔT = 25 K und der Faktor 0,40613. Im Bad sind es 21 K und 0,32376.

Für einen dritten Vergleich rechnen wir 55/45 °C. Die Spreizung bleibt in allen Varianten bei 10 K; nur das Temperaturniveau steigt. Dies ist ein Vergleich von Auslegungspunkten mit derselben angenommenen Heizlast, keine stündliche Wetter- oder Jahresverbrauchssimulation.

Drei Temperaturniveaus bei unveränderten Raumannahmen; Leistung und Deckung
Raum / Heizlast45/35 °C50/40 °C55/45 °C
Wohnzimmer / 1.200 W1.215 W / 101,3 %1.625 W / 135,4 %2.059 W / 171,6 %
Schlafzimmer / 600 W668 W / 111,4 %893 W / 148,9 %1.132 W / 188,7 %
Bad / 700 W455 W / 65,0 %648 W / 92,5 %855 W / 122,1 %

Warum 92,5 Prozent noch keine ausreichende Deckung sind

Das Bad bleibt bei 50/40 °C mit rund 52 W unter seiner angenommenen Heizlast. Der Rechner ordnet Werte von 90 bis unter 110 Prozent dem mittleren Hinweisband „Knapp, aber rechnerisch möglich“ zu. Diese Anzeige ist eine grobe Einordnung. Unter 100 Prozent besteht am eingegebenen Lastpunkt weiterhin eine rechnerische Lücke.

Auch die 101,3 Prozent im Wohnzimmer bei 45/35 °C sind keine belastbare Reserve: Der rechnerische Überschuss beträgt nur etwa 15 W. Schon unsichere Bestandsdaten oder die vereinfachte Temperaturmittelung können diese kleine Differenz überwiegen. Das grüne Band beginnt im Tool bei 110 Prozent; daraus folgt ebenfalls keine allgemeingültige vorgeschriebene Auslegungsreserve.

55/45 °C decken alle drei angenommenen Lasten. Daraus folgt aber noch nicht, dass diese höhere Temperatur die beste Lösung ist. Der Vergleich grenzt zunächst den Engpass ein: Für unser Modell lohnt es, das Bad gesondert zu untersuchen. Eine Stromersparnis oder Jahresarbeitszahl lässt sich aus diesen Wattwerten nicht ablesen.

Wie viel Nennleistung bräuchte das Bad bei 45/35 °C?

Der Rechner kehrt die Formel auch um. Bei 24 °C Raumtemperatur und dem angenommenen n = 1,3 benötigt das Bad bei 45/35 °C eine Nennleistung von 700 ÷ 0,22735 = 3.078,95 W bei ΔT 50 K. Rund 3.079 W sind die rechnerische Gleichstandsschwelle ohne zusätzliche Reserve. Eine konkrete passende Baugröße muss anschließend anhand der Herstellerdaten und der Einbausituation ausgewählt werden.

Außerdem schätzt das Tool den erforderlichen Vorlauf bei beibehaltener Spreizung. Für den vorhandenen Modellheizkörper gilt ΔT erforderlich = 50 × (700 ÷ 2.000)^(1 ÷ 1,3) = 22,30 K. Daraus folgen 24 + 22,30 + 10 ÷ 2 = 51,30 °C Vorlauf und rechnerisch 41,30 °C Rücklauf.

Das ist ein Modellpunkt bei 10 K Spreizung, keine unmittelbar einzustellende Heizkurve. Vor einem Tausch prüfen Fachleute, ob die angenommenen Temperaturen und Volumenströme überhaupt erreichbar sind. Ein größerer Heizkörper, eine zusätzliche geeignete Heizfläche oder geringere Wärmeverluste können Alternativen sein. Ein verdeckter Durchflussfehler wird durch größere Katalog-Wattzahlen allein nicht behoben.

Wo die Rechnung bewusst vereinfacht

Das Werkzeug nutzt die arithmetische mittlere Übertemperatur. Bremo beschreibt diese als Näherung und erläutert daneben die logarithmische Mittelung. Zehnder verwendet auf seiner Umrechnungsseite ebenfalls eine arithmetische ΔT-Betrachtung und weist auf produktspezifische Exponenten hin. Die Verfahren dürfen bei genauer Planung nicht unbesehen vermischt werden; bestätigte Leistungsangaben für den Zielbetriebspunkt gehen vor.

Wie viel n ausmacht, lässt sich an unserem Bad zeigen: Bei denselben 45/35/24 °C liefern angenommene Exponenten von 1,2, 1,3 und 1,4 rund 510, 455 beziehungsweise 406 W. Das ist eine eigene Empfindlichkeitsrechnung, keine behauptete Streuung eines bestimmten Produkts. Der voreingestellte Wert 1,3 ist somit kein Ersatz für dessen Datenblatt.

Das Tool berechnet keine Einbaukorrekturen, Ventileinstellung oder hydraulische Versorgung. Nischen, Verkleidungen und überhängende Textilien müssen separat beurteilt werden. Auch ventilatorunterstützte Geräte brauchen ihre eigenen Leistungskennfelder. Mehrere unterschiedliche Heizkörper im selben Raum sollten einzeln mit ihrem jeweiligen n umgerechnet werden; erst dann werden ihre Leistungen addiert.

Gültige Eingaben verlangen Vorlauf über Rücklauf und Rücklauf über Raumtemperatur. Die Rechnung beschreibt einen stationären Heizfall. Aufheizen nach längeren Pausen, angrenzende Räume und der tatsächliche Jahresverlauf sind damit nicht vollständig erfasst. Für DE, AT und CH bleibt dieselbe Rechenlogik nutzbar; die lokale raumweise Auslegung muss zum jeweiligen Gebäude passen.

Quellen und Rechnerlogik geprüft am 28.10.2026. Sämtliche Beispiel-Eingaben sind Annahmen. Herstellerunterlagen belegen die Methodik, nicht ein reales Projekt mit diesen drei Räumen.

Mit einer Raumliste in das Fachgespräch gehen

Legen Sie für jeden Raum eine Zeile mit Solltemperatur, Heizlast, Heizkörperdaten und Ergebnis an. Speichern oder notieren Sie die drei Varianten selbst; der Rechner führt keine gemeinsame Raumliste. Markieren Sie Lücken und unsichere Angaben, statt nur die günstigste Deckung zu übernehmen.

Unser Beispiel führt zu einer konkreten Frage an den Fachbetrieb: Wie lässt sich das Bad bei niedrigem Systemniveau versorgen, und ist die knappe Wohnzimmerleistung mit bestätigten Daten ausreichend? Mit diesem Auftrag lassen sich Maßnahmen gezielt vergleichen. Die Gesamt-Heizlast des Hauses bleibt eine andere Prüfung; der erste Serienbeitrag erklärt deren überschlägige Ermittlung.

Nachlesen & prüfen

Originalquellen

  1. 01Wärmepumpe.tech: Heizkörper-Rechner; Eingaben und arithmetisches Modell geprüft am 28.10.2026
  2. 02Bremo / Breitenmoser & Keller: Wärmeleistungstabellen, Ausgabe 08/2017; Druckseiten 3–7 zu Bezugsbedingungen, Mittelung, Exponent und Durchfluss
  3. 03Zehnder Group UK: Correction Factors (Delta T Conversion); arithmetische Übertemperatur und Hinweis zum angenommenen Exponenten, abgerufen am 28.10.2026
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