Industriewärmepumpen & Abwärme Global
90 Grad aus Abwärme: MHI erweitert den Markt für seine Industriewärmepumpe
In vielen Betrieben wird an einer Stelle gekühlt und an einer anderen heißes Wasser gebraucht. Mitsubishi Heavy Industries will beide Aufgaben mit seiner ETI-W enger verbinden. Neu ist im Oktober die Ausweitung des Verkaufs außerhalb Japans; die Technik selbst wurde dort bereits 2025 eingeführt.

In diesem Artikel
Kurz eingeordnet
Das Wichtigste auf einen Blick
Die ETI-W ist für wassergebundene Abwärmequellen gedacht, nicht als beliebige Hauswärmepumpe.
Der angegebene COP 4,01 ist ein Herstellerkennwert nach JIS, keine gemessene Jahresarbeitszahl.
Wärmequelle und Warmwasserbedarf müssen gleichzeitig mit passenden Temperaturen verfügbar sein.
- bis 90 °C
- Warmwassertemperatur laut Hersteller
- bis 640 kW
- maximale Heizleistung laut Hersteller
- 09.10.2026
- Mitteilung zur Ausweitung auf Auslandsmärkte
Was MHI im Oktober angekündigt hat
MHI Thermal Systems teilte am 9. Oktober 2026 mit, die ETI-W ab Oktober auch auf Auslandsmärkten anzubieten. Die Baureihe wurde in Japan bereits 2025 eingeführt. Es handelt sich um eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe mit Zentrifugalverdichter, die niedrig temperierte Abwärme für heißes Wasser nutzbar machen soll.
Als Eckwerte nennt der Hersteller bis zu 90 Grad Wassertemperatur und eine maximale Heizleistung von 640 kW. Zu den angesprochenen Anwendungen zählen Produktionsbetriebe sowie größere gewerbliche Gebäude.
Kühlen und Heizen an einer Anlage betrachten
Als mögliche Quelle nennt MHI unter anderem das Kühlwasser vorhandener Kältemaschinen. Auch Abwärme aus Rechenzentren kommt laut Mitteilung unter geeigneten Bedingungen infrage. Verwendet wird das Kältemittel HFO-1233zd(E).
Unsere Einordnung: Interessant wird eine solche Verbindung dort, wo ein nutzbarer Abwärmestrom und ein passender Wärmebedarf zusammenkommen. Ein Betrieb sollte deshalb nicht nur Höchsttemperaturen sammeln, sondern Temperaturverläufe, Leistungen und Betriebszeiten beider Seiten dokumentieren.
Ein COP braucht vollständige Randbedingungen
MHI gibt bei Warmwasser bis 90 Grad einen Heiz-COP von 4,01 an und verweist auf eine Berechnung nach japanischen Industriestandards. In der Meldung werden jedoch nicht alle Quelltemperaturen und Vergleichsbedingungen ausgewiesen, die für eine Gegenüberstellung mit anderen Anlagen nötig wären.
Eine Jahreskostenrechnung sollte deshalb nicht einfach den gesamten Wärmebedarf durch diesen Einzelwert teilen. Benötigt werden passende Leistungsdaten für die tatsächlich vorgesehenen Betriebspunkte und eine klare Abgrenzung der zusätzlich erforderlichen Aggregate.
Das Lastprofil kann wichtiger sein als die Maximalleistung
Stellen wir uns als Planungsbeispiel einen Betrieb vor, der tagsüber viel Kühlabwärme hat, aber vor allem vor Produktionsbeginn heißes Wasser braucht. Die Wärme wäre grundsätzlich vorhanden, doch die Zeiten passen zunächst nicht zusammen.
Ob Speicher, angepasste Betriebszeiten oder eine andere Systemlösung sinnvoll sind, muss anhand dieses Verlaufs geprüft werden. Eine hohe Nennleistung allein löst den zeitlichen Unterschied nicht. Ebenso gehören Reserveversorgung und geplante Stillstände in den Vergleich.
Diese Unterlagen gehören vor die Beschaffung
Für eine erste Anbieteranfrage würden wir ein Lastprofil der Wärmeverbraucher, Daten der möglichen Abwärmequelle und Angaben zum elektrischen Anschluss zusammenstellen. Danach lässt sich klären, welche Systemgrenzen, Messpunkte und Betriebszustände ein Angebot abdecken muss.
Die Ausweitung des Verkaufs ist ein interessanter Marktschritt. Sie bestätigt für sich allein weder einen konkreten Liefertermin im DACH-Raum noch eine bestimmte Wirtschaftlichkeit an einem beliebigen Standort.
Quellen geprüft am 19.10.2026. Herstellerankündigung vom 09.10.2026; Leistungs- und COP-Werte sind Angaben von MHI, keine unabhängige Feldmessung.
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