Rechner in der Praxis
Heizkurven-Rechner: Steigung oder Niveau? Drei Fälle durchgerechnet
Bei Frost ist das Haus zu kühl, bei mildem Wetter passt alles. Oder sind die Räume ständig zu kalt? Der Heizkurven-Rechner trennt diese Beobachtungen. Wir rechnen dieselbe Ausgangskurve dreimal durch und zeigen, warum ein einzelnes kaltes Zimmer eine andere Antwort braucht.

In diesem Artikel
Kurz eingeordnet
Das Wichtigste auf einen Blick
Nur bei Frost zu kalt: Das Tool hebt im Beispiel den Winterpunkt von 50 auf 52 °C an; der Basispunkt bleibt bei 25 °C.
Ständig zu kalt: Beide Punkte steigen im Modell um 1 K. Bei +5 °C außen ergibt das 36 statt 35 °C Vorlauf.
Nur ein Raum zu kalt: Im gewählten Beispiel bleibt die Kurve unverändert. Zuerst die Versorgung und Heizfläche dieses Raums prüfen.
Eine Beobachtung auswählen, bevor Sie Zahlen verändern
Eine Heizkurve ordnet der Außentemperatur einen Vorlauf zu. Vaillant beschreibt diesen Zusammenhang in seinem Heiztechniklexikon. Die praktische Frage für Eigentümer lautet aber nicht nur, ob eine Kurve hoch oder niedrig aussieht: Wann und wo fehlt tatsächlich Wärme? Eine Beobachtung bei Sonnenschein und eine bei kaltem Wind sind noch kein sauberer Vergleich.
Unser Optimierer verwendet zwei Temperaturpunkte und ein ausgewähltes Komfortsymptom. Daraus zeichnet er eine lineare Ausgangs- und Zielkurve. Er liest keine Wärmepumpe aus, erkennt keine Störung automatisch und überträgt keine Einstellungen an einen Regler. Die vorgeschlagene Änderung ist eine nachvollziehbare Arbeitshypothese.
Alle folgenden Temperaturen und Beobachtungen sind ausdrücklich angenommene Modelldaten. Sie stammen weder aus einem dokumentierten Kundenhaus noch aus einer Studie. Wir vergleichen drei alternative Situationen desselben Ausgangsmodells; die Änderungen werden nicht nacheinander aufeinander aufgebaut.
Die Ausgangskurve mit allen Feldern anlegen
Wählen Sie zuerst die Wärmeübergabe „Heizkörper“. Diese Auswahl setzt im Werkzeug die Startwerte für Winter- und Basispunkt neu. Tragen Sie eigene Kurvenpunkte deshalb anschließend ein. Für unser Beispiel bleiben die vorbelegten 50 und 25 °C bestehen. Fußbodenheizung oder gemischte Systeme würden andere Startwerte erhalten; daraus folgt keine fertige Auslegung.
Unter Außenbedingungen setzen wir die Auslegungs-Außentemperatur auf −10 °C und die Heizgrenze auf +15 °C. Beides sind hier Annahmen. Beim eigenen Haus benötigen Sie passende örtliche Auslegungsdaten und die tatsächlich vorgesehene Heizgrenze. Unter „Aktuelle Kurvenpunkte“ stehen 50 °C Vorlauf bei −10 °C außen und 25 °C bei +15 °C außen.
Unter Beobachtung tragen wir +5 °C aktuelle Außentemperatur und 21 °C gewünschte Raumtemperatur ein. Die 21 °C erscheinen im Ergebnis als Zielraumangabe. In der aktuellen Programmversion verändern sie die berechnete Vorlauftemperatur nicht. Auch eine gemessene Raumtemperaturabweichung wird nicht automatisch in eine Korrektur umgerechnet; dafür wählen Sie das passende Symptom.
| Feld | Modellwert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Wärmeübergabe | Heizkörper | Startwerte zuerst auswählen |
| Auslegungs-Außentemperatur | −10 °C | Kalter Bezugspunkt |
| Heizgrenze | +15 °C | Warmer Bezugspunkt des Modells |
| Winterpunkt / Basispunkt | 50 / 25 °C | Vorlauftemperaturen an den Bezugspunkten |
| Aktuell außen / Zielraum | +5 / 21 °C | Vergleichspunkt / Komfortziel |
So entstehen 35 °C Vorlauf bei +5 °C außen
Zwischen den beiden Außenpunkten liegen 15 − (−10) = 25 K. Der Vorlaufunterschied beträgt 50 − 25 = 25 K. Die angezeigte Modell-Steigung ist daher 25 ÷ 25 = 1,00. Das beschreibt hier einen Vorlaufanstieg um 1 K für jedes Kelvin sinkender Außentemperatur innerhalb dieses Bereichs.
Für eine Außentemperatur T berechnet das Tool den Anteil r = (15 − T) ÷ 25. Bei +5 °C ergibt das r = 10 ÷ 25 = 0,4. Der Vorlauf lautet dann 25 + 0,4 × (50 − 25) = 35 °C. Bei 0 °C außen sind es 25 + 0,6 × 25 = 40 °C; bei −5 °C sind es 45 °C.
Der Anteil wird im Programm auf den Bereich von null bis eins begrenzt. Unterhalb von −10 °C steigt die Modellkurve deshalb nicht weiter an: Bei −15 °C zeigt sie ebenfalls 50 °C. Am warmen Ende bleibt sie ab +15 °C beim Basispunkt. Das ist eine Darstellungsgrenze, kein Leistungsnachweis bei extremer Kälte und keine automatische Sommerabschaltung.
Fall 1: Das ganze Haus wird nur bei Frost zu kühl
Unsere erste angenommene Beobachtung: Bei mildem Wetter erreichen die Referenzräume ungefähr den gewünschten Komfort. An vergleichbaren Frosttagen bleiben mehrere Räume zu kühl, obwohl Heizbetrieb und Versorgung geprüft sind. Wählen Sie „Nur bei starkem Frost zu kalt“. Der Optimierer erhöht den Winterpunkt um 2 K auf 52 °C und belässt den Basispunkt bei 25 °C.
Die neue Modell-Steigung beträgt (52 − 25) ÷ 25 = 1,08. Bei +5 °C außen ergibt sich 25 + 0,4 × 27 = 35,8 °C. Die Veränderung beträgt dort nur 0,8 K, nicht 2 K. Bei −5 °C steigt der Modell-Vorlauf von 45 auf 46,6 °C; am Winterpunkt erreicht die Änderung die vollen 2 K.
Der große Änderungshinweis „+2 K“ bezieht sich somit auf die größte Punktkorrektur, nicht auf jede Außentemperatur. Das erklärt, warum eine steilere Zielkurve vor allem am kalten Ende wirkt. Ob der Vorschlag beim eigenen Gebäude ausreicht oder überhaupt nötig ist, muss anschließend mit Beobachtungen geprüft werden.
Fall 2: Bei mildem und kaltem Wetter sind alle Räume zu kühl
Setzen Sie für den zweiten Fall die ursprünglichen Punkte 50/25 °C voraus und wählen Sie „Bei mildem und kaltem Wetter zu kalt“. Im Modell wird der Basispunkt auf 26 °C und der Winterpunkt auf 51 °C angehoben. Die Temperaturdifferenz zwischen den Punkten bleibt 25 K; die Modell-Steigung bleibt 1,00.
Bei +5 °C außen rechnen wir 26 + 0,4 × (51 − 26) = 36 °C. Bei 0 °C entstehen 41 °C, bei −5 °C 46 °C. Die Zielkurve liegt im gesamten dargestellten Bereich genau 1 K über der Ausgangskurve. Das ist die Parallelverschiebung dieses linearen Modells.
Viessmann unterscheidet in seiner Anleitung die Änderung der Neigung bei Abweichungen an kalten Tagen von der Niveaukorrektur bei grundsätzlich zu kühlen Räumen. Die dort erläuterten Bedienwerte gehören jedoch zum jeweiligen Regler. Unsere 1,00 oder 1,08 sind keine direkt übertragbaren Hersteller-Neigungen.
| Außen | Ausgangskurve | Fall 1: Winterpunkt +2 K | Fall 2: beide Punkte +1 K | Fall 3: unverändert |
|---|---|---|---|---|
| −15 °C | 50,0 | 52,0 | 51,0 | 50,0 |
| −10 °C | 50,0 | 52,0 | 51,0 | 50,0 |
| −5 °C | 45,0 | 46,6 | 46,0 | 45,0 |
| 0 °C | 40,0 | 41,2 | 41,0 | 40,0 |
| +5 °C | 35,0 | 35,8 | 36,0 | 35,0 |
| +10 °C | 30,0 | 30,4 | 31,0 | 30,0 |
| +15 °C | 25,0 | 25,0 | 26,0 | 25,0 |
Fall 3: Nur ein einzelner Raum bleibt kalt
Unsere dritte angenommene Beobachtung: Die übrigen Räume erreichen ihr Ziel, nur das Arbeitszimmer bleibt zu kühl. Wählen Sie „Nur einzelne Räume sind zu kalt“. Mit den gewählten Ausgangswerten verändert der Optimierer keinen Kurvenpunkt. Bei +5 °C außen bleiben 35 °C Vorlauf stehen; die Modell-Steigung bleibt 1,00.
Der nächste Schritt betrifft den Raum: Stimmen Ventilstellung und Voreinstellung? Kommt ausreichend Heizwasser an? Passt die Heizfläche zur Raumheizlast? Der Rechner beantwortet diese Fragen nicht selbst. Eine globale Temperaturerhöhung könnte die anderen Räume unnötig wärmer versorgen, ohne die Ursache zu beseitigen.
Für den gesonderten Leistungscheck eines Heizkörpers gibt es den vorherigen Praxisbeitrag der Serie. Er untersucht drei Räume bei vorgegebenen Systemtemperaturen. Hier bleibt die Frage dagegen, welches beobachtete Muster eine Änderung der gemeinsamen Heizkurve überhaupt begründet.
Die Anzeige lesen, ohne den Regler blind nachzubauen
Die Ergebnisbox zeigt aktuellen Modell-Vorlauf, Zielwert, zwei Kurvenpunkte und beide Steigungen. Daneben steht das Protokoll für genau eine Änderung. Die Druckfunktion öffnet den Druckdialog des Browsers; dort lässt sich je nach System auch eine PDF speichern. Es gibt keine automatische Messwertübernahme und keine aus diesen Fällen abgeleitete Einsparprognose.
Das Programm begrenzt Ziel-Basispunkte auf 18 bis 35 °C und den Ziel-Winterpunkt auf höchstens 70 °C sowie mindestens 5 K oberhalb des Ziel-Basispunkts. Außerdem wird ein zu hoher eingegebener Basispunkt intern unter den Winterpunkt gesetzt. Unsere regulären Beispielwerte berühren diese Grenzen nicht. Bei ungewöhnlichen Eingaben kann aber selbst ein Symptom ohne geplante Korrektur eine begrenzte Zielkurve ergeben.
Reale Regler können gekrümmte Kennlinien, Raumeinfluss, Außentemperaturmittelung sowie minimale und maximale Vorläufe verwenden. Ein gleich benannter Parameter ist deshalb noch keine gleiche Funktion. Vergleichen Sie die zugehörigen Vorlauftemperaturen in der passenden Herstelleranleitung und im richtigen Heizkreis.
Eine Änderung dokumentieren und erst dann beurteilen
Notieren Sie vor dem Eingriff Kurvenpunkte, Heizzeiten, Außen- und Raumtemperaturen. Wählen Sie feste Referenzräume und vermeiden Sie gleichzeitig geänderte Thermostatstellungen, Heizzeiten oder Warmwasservorgaben. Der Optimierer empfiehlt drei bis fünf vergleichbare Beobachtungstage. Das ist sein Arbeitsprotokoll, keine herstellerübergreifende Reaktionszeit.
Als angenommenes Protokoll für Fall 1 könnte stehen: Ausgang 50/25 °C, geprüfter nächster Versuch 52/25 °C, Raumziel 21 °C, zunächst keine weitere Änderung. Ergänzen Sie danach gemessene Temperaturen und Komfort. Wir tragen bewusst kein erfundenes erfolgreiches Ergebnis ein: Der Rechner sagt nicht voraus, wie schnell oder wie stark ein Raum wärmer wird.
Bei deutlichem Komfortverlust nehmen Sie die Änderung nach dem zulässigen Bedienverfahren zurück und klären die Ursache. Frostschutz-, Hygiene-, Elektro- und Sicherheitsfunktionen bleiben unangetastet. Ein gemischtes System braucht eine Betrachtung der einzelnen Heizkreise. Die lineare Rechnung funktioniert für Leser in DE, AT und CH gleich; das konkrete Gebäude und die Herstellerregelung entscheiden über die Umsetzung.
Öffnen Sie für den eigenen Vergleich den Heizkurven-Rechner, tragen Sie nachvollziehbare Temperaturpunkte ein und wählen Sie die beobachtete Situation. Der Nutzen liegt in einer klaren Prüffrage: Winterpunkt, beide Punkte oder zunächst der einzelne Raum? Eine begründete kleine Änderung ist überprüfbar; eine möglichst niedrige Zahl allein ist noch kein guter Betrieb.
Rechnerlogik und Quellen am 29.10.2026 geprüft. Sämtliche Beispielwerte und Komfortbeobachtungen sind Annahmen. Die +2/+1-K-Regeln stammen aus dem Tool, nicht aus einer Feldstudie.
Vom Lesen zum Prüfen
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Originalquellen
- 01Wärmepumpe.tech: Heizkurven-Optimierer, aktuelle lineare Rechenlogik und Symptomregeln, geprüft 29.10.2026
- 02Viessmann: Heizkurve richtig einstellen; Neigung, Niveau, Protokoll und Wartezeiten, abgerufen 29.10.2026 (keine Übernahme von Hersteller-Neigungswerten)
- 03Vaillant: Heiztechniklexikon Heizkurve; Zusammenhang von Außen- und Vorlauftemperatur, abgerufen 29.10.2026



