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Praxisbeispiel & Abwärme · Schweiz

Berner Inselspital: Wie Kühlung und Heizung in einem Gebäude zusammenspielen

Ein Spital braucht oft gleichzeitig Kälte für sensible Bereiche und Wärme für andere Räume. Das sanierte Marie-Colinet-Haus am Inselspital Bern zeigt, wie diese Aufgaben gemeinsam geplant werden: Die Kältemaschine nutzt Abwärme, während Gebäudehülle und Lüftung den Bedarf begrenzen. Die Zahlen zur Anlagenleistung sind eindrucksvoll – eine Aussage über jährlich eingesparte Energie liefern sie allein noch nicht.

Redaktionelle 3D-Ansicht eines Berner Spitalgebäudes mit Kältemaschine, Wärmeleitungen und Solaranlage
Schematische 3D-Visualisierung des Zusammenspiels von Kühlung und Heizung; kein Abbild der realen Anlage.
750 kW
angegebene Leistung der Kältemaschine mit Abwärmenutzung
850 kW
ausgelegte gesamte Heizleistung
>25.000 m²
Nutzfläche des erneuerten Gebäudes
Veröffentlicht: Lesezeit: 6 Min.
Porträt von Martin Kania
Fachlich eingeordnet vonMartin Kania

Heizung & Sanitär · Service · Projekt- & Bauleitung · über 30 Jahre Praxis · aktualisiert 26.09.2026

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Kurz eingeordnet

Drei Punkte
ohne Schlagzeilenlärm.

  1. 01Der Bundesbeitrag beschreibt eine Kältemaschine mit integrierter Abwärmenutzung; eine separate Großwärmepumpe oder gemessene Jahresarbeitszahl wird darin nicht ausgewiesen.
  2. 02Kühlleistung und geplante Heizleistung sind unterschiedliche Größen. 750 und 850 kW dürfen nicht als direkt vergleichbare Jahreserträge gelesen werden.
  3. 03Dreifachverglasung, Gebäudehülle, Lüftung und eine zusätzliche Technikfläche sind Teil des Konzepts – die Kältemaschine allein erklärt den Energiebedarf nicht.

Was im Marie-Colinet-Haus erneuert wurde

Die Insel Gruppe schloss die umfassende Sanierung des 2002 eröffneten Hauses nach Angaben des Bundes im März 2026 ab. Hinter der weitgehend erhaltenen Gebäudehülle entstand auf mehr als 25.000 Quadratmetern Nutzfläche praktisch ein neues Spital. Auf dem Dach liegt eine Photovoltaikanlage; ein zusätzliches Technikgeschoss beherbergt Lüftung, Kühlung und einen Teil der Wärmeversorgung.

Der Bericht der Initiative «Vorbild Energie und Klima» erschien am 10. September. Das Fallbeispiel beschreibt einen realen Umbau, keine allgemeingültige Auslegung für jedes Krankenhaus.

Kälte erzeugen und Wärme nutzbar machen

Die Quelle nennt eine Kältemaschine mit integrierter Abwärmenutzung und 750 kW Leistung. Eine Kältemaschine entzieht einem Kühlkreislauf Wärme und gibt sie an anderer Stelle ab. Wird ein geeigneter Teil davon zur Wärmeversorgung verwendet, lassen sich Kühl- und Heizbedarf zeitlich miteinander verbinden.

Wie viel davon tatsächlich im Gebäude genutzt wird, hängt von gleichzeitigem Bedarf, Temperaturen, Regelung und Speichermöglichkeiten ab. Der veröffentlichte Bericht nennt keine gemessenen Jahresmengen oder Effizienzwerte. Deshalb wäre eine konkrete Einsparquote aus der Leistungsangabe erfunden.

Redaktionelle Einordnung: Kältemaschine und Wärmepumpe nutzen verwandte thermodynamische Prinzipien; der Bericht nennt ausdrücklich die Kältemaschine.

Warum die 850 kW keine Einsparung sind

Die Wärmeversorgung ist auf insgesamt 850 kW Heizleistung ausgelegt. Dies beschreibt eine Auslegung für die Versorgung des Hauses. Die 750 kW der Kältemaschine sind eine andere Leistungsangabe. Beides sind keine Jahresenergiemengen in Kilowattstunden und nicht automatisch gleichzeitig verfügbare Wärme und Kälte.

Für eine belastbare Bilanz wären gemessene Volumenströme, Temperaturen, Laufzeiten und Stromverbrauch nötig. Erst damit lässt sich beurteilen, welcher Anteil der Heizenergie durch zurückgewonnene Wärme gedeckt wird und wie effizient die Anlage über ein ganzes Jahr arbeitet.

Erst die Hülle, dann die Technik bewerten

Die erneuerte Gebäudehülle mit dreifach verglasten Fenstern reduziert Wärmeverluste und sommerliche Wärmeeinträge. Der Bundesbericht erwähnt zudem die Optimierung kritischer Anschlüsse und Wärmebrücken sowie abgestimmte Lüftungs- und Klimatisierungstechnik. Eine geringere Last erleichtert es, die Anlage passend auszulegen.

Die nicht zu öffnenden Fenster dienen im beschriebenen Spitalbetrieb einem kontrollierten Raumklima. Das ist kein pauschaler Rat für Wohngebäude. Gerade bei Bestandsbauten müssen Nutzung und Komfortanforderungen für jedes Gebäude einzeln geklärt werden.

Was Planende und Eigentümer daraus lernen

Das Berner Projekt zeigt, dass sich Kühlbedarf als mögliche Wärmequelle schon in der Gebäudeplanung erfassen lässt. In Wohngebäuden ist diese Kombination seltener und kleiner dimensioniert; auch dort lohnt sich zuerst der Blick auf reale Lasten, Warmwasser, Verteilung und die saisonale Überlappung.

Wer ein Angebot für kombinierte Wärme- und Kälteversorgung prüft, sollte eine nachvollziehbare Jahresbilanz und ein Regelungskonzept verlangen. Die attraktive Idee der Abwärmenutzung ersetzt keine Prüfung von Wärmeabnehmern und Wirtschaftlichkeit.

  • Gleichzeitige Kühl- und Heizlasten getrennt erfassen.
  • Temperaturniveaus und nutzbare Abwärmemenge dokumentieren.
  • Strombedarf, Pumpenenergie und mögliche Speicher in die Jahresbilanz aufnehmen.
  • Bei Bestandsgebäuden die Gebäudehülle und Luftführung mitbewerten.

Für das eigene Projekt

Wärmebedarf des Gebäudes prüfen.

Die Anlagengröße folgt aus dem Bedarf, nicht aus einem anderen Fallbeispiel.

PraxischeckHeizlast näherungsweise prüfen

Originalquellen

Zahl und Aussage
selbst prüfen.

Vorbild Energie und Klima, Schweizer Bund – «Neuste Technik auf altem Tragwerk» (10. September 2026)↗Insel Gruppe – Eröffnung des erneuerten Marie-Colinet-Hauses (2026)↗

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