Was im Marie-Colinet-Haus erneuert wurde
Die Insel Gruppe schloss die umfassende Sanierung des 2002 eröffneten Hauses nach Angaben des Bundes im März 2026 ab. Hinter der weitgehend erhaltenen Gebäudehülle entstand auf mehr als 25.000 Quadratmetern Nutzfläche praktisch ein neues Spital. Auf dem Dach liegt eine Photovoltaikanlage; ein zusätzliches Technikgeschoss beherbergt Lüftung, Kühlung und einen Teil der Wärmeversorgung.
Der Bericht der Initiative «Vorbild Energie und Klima» erschien am 10. September. Das Fallbeispiel beschreibt einen realen Umbau, keine allgemeingültige Auslegung für jedes Krankenhaus.
Kälte erzeugen und Wärme nutzbar machen
Die Quelle nennt eine Kältemaschine mit integrierter Abwärmenutzung und 750 kW Leistung. Eine Kältemaschine entzieht einem Kühlkreislauf Wärme und gibt sie an anderer Stelle ab. Wird ein geeigneter Teil davon zur Wärmeversorgung verwendet, lassen sich Kühl- und Heizbedarf zeitlich miteinander verbinden.
Wie viel davon tatsächlich im Gebäude genutzt wird, hängt von gleichzeitigem Bedarf, Temperaturen, Regelung und Speichermöglichkeiten ab. Der veröffentlichte Bericht nennt keine gemessenen Jahresmengen oder Effizienzwerte. Deshalb wäre eine konkrete Einsparquote aus der Leistungsangabe erfunden.
Redaktionelle Einordnung: Kältemaschine und Wärmepumpe nutzen verwandte thermodynamische Prinzipien; der Bericht nennt ausdrücklich die Kältemaschine.
Warum die 850 kW keine Einsparung sind
Die Wärmeversorgung ist auf insgesamt 850 kW Heizleistung ausgelegt. Dies beschreibt eine Auslegung für die Versorgung des Hauses. Die 750 kW der Kältemaschine sind eine andere Leistungsangabe. Beides sind keine Jahresenergiemengen in Kilowattstunden und nicht automatisch gleichzeitig verfügbare Wärme und Kälte.
Für eine belastbare Bilanz wären gemessene Volumenströme, Temperaturen, Laufzeiten und Stromverbrauch nötig. Erst damit lässt sich beurteilen, welcher Anteil der Heizenergie durch zurückgewonnene Wärme gedeckt wird und wie effizient die Anlage über ein ganzes Jahr arbeitet.
Erst die Hülle, dann die Technik bewerten
Die erneuerte Gebäudehülle mit dreifach verglasten Fenstern reduziert Wärmeverluste und sommerliche Wärmeeinträge. Der Bundesbericht erwähnt zudem die Optimierung kritischer Anschlüsse und Wärmebrücken sowie abgestimmte Lüftungs- und Klimatisierungstechnik. Eine geringere Last erleichtert es, die Anlage passend auszulegen.
Die nicht zu öffnenden Fenster dienen im beschriebenen Spitalbetrieb einem kontrollierten Raumklima. Das ist kein pauschaler Rat für Wohngebäude. Gerade bei Bestandsbauten müssen Nutzung und Komfortanforderungen für jedes Gebäude einzeln geklärt werden.
Was Planende und Eigentümer daraus lernen
Das Berner Projekt zeigt, dass sich Kühlbedarf als mögliche Wärmequelle schon in der Gebäudeplanung erfassen lässt. In Wohngebäuden ist diese Kombination seltener und kleiner dimensioniert; auch dort lohnt sich zuerst der Blick auf reale Lasten, Warmwasser, Verteilung und die saisonale Überlappung.
Wer ein Angebot für kombinierte Wärme- und Kälteversorgung prüft, sollte eine nachvollziehbare Jahresbilanz und ein Regelungskonzept verlangen. Die attraktive Idee der Abwärmenutzung ersetzt keine Prüfung von Wärmeabnehmern und Wirtschaftlichkeit.
- Gleichzeitige Kühl- und Heizlasten getrennt erfassen.
- Temperaturniveaus und nutzbare Abwärmemenge dokumentieren.
- Strombedarf, Pumpenenergie und mögliche Speicher in die Jahresbilanz aufnehmen.
- Bei Bestandsgebäuden die Gebäudehülle und Luftführung mitbewerten.


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