Was 2026 vorgestellt wurde
Fuji Electric kündigte am 27. Mai einen Ejektorkühler für flüssigkeitsgekühlte Rechenzentren an; als Verkaufsstart nannte die Mitteilung Ende Juni 2026. Der Ansatz soll Serverabwärme als Antriebsenergie nutzen und kommt nach Herstellerbeschreibung ohne den üblichen mechanischen Kältemittelverdichter aus.
Im Geschäftsbericht 2026 führt Fuji Electric Ejektorkühlung und dampferzeugende Wärmepumpen als neue Geschäftsfelder. Die dort beschriebene breitere Marktentwicklung ab dem Geschäftsjahr 2027 ist eine Unternehmensplanung. Daraus lässt sich weder eine bestimmte Zahl installierter Systeme noch eine unabhängige Jahresmessung ableiten.
Wie die Wärme für Kühlung genutzt werden soll
Im beschriebenen Prozess führt ein Wärmerückgewinnungsmodul Energie aus dem Serverkreislauf zu. Ein Ejektor mit Düse und Diffusor übernimmt die Strömungs- und Druckaufgabe; ein Verdampfer erzeugt die benötigte Kälte. Das erklärt, warum die elektrische Leistungsaufnahme eines Moduls allein noch keine vollständige Energiebilanz ist: Der Prozess erhält zusätzlich Wärme.
Eine aus maximaler Kühlleistung und elektrischer Modulaufnahme errechnete Kennzahl wäre nicht direkt mit dem COP einer Hauswärmepumpe vergleichbar. Zusätzlich müssten unter anderem thermischer Antrieb, Nebenaggregate und Wärmeabgabe betrachtet werden. Für eine belastbare Bewertung müssen alle Größen außerdem denselben Betriebspunkt beschreiben.
Was die 85-Prozent-Zahl bedeutet
Den Vergleich von bis zu 85 Prozent weniger Strom bezieht Fuji Electric auf die Serverkühlung über einen dreimonatigen Sommerzeitraum. Der Hersteller nennt außerdem 40 bis 80 °C Eintrittstemperatur des warmen Kühlwassers und 28 bis 35 °C Austrittstemperatur als Betriebsbereiche.
Unsere Einordnung: Ein solcher Vergleich benötigt Angaben zum ersetzten Kühlsystem, Klima und Lastverlauf. Er sagt noch nichts über die Stromaufnahme der IT-Geräte aus. Für den gesamten Standort wäre außerdem zu prüfen, welche Pumpen, Kühltürme und Verteilanlagen in der veröffentlichten Grenze enthalten sind. Ein günstiger Teilprozess kann sinnvoll sein, ersetzt aber nicht die Gesamtbilanz.
Kälteerzeugung und Wärmenetz sind unterschiedliche Optionen
Eine klassische Abwärmenutzung sucht außerhalb des Rechenzentrums einen Abnehmer für Wärme. Ein thermisch angetriebener Kühlprozess nutzt Wärme dagegen innerhalb der Kühlaufgabe. Welche Möglichkeit besser passt, hängt vom tatsächlichen Standort und dessen Temperaturniveaus ab.
Für einen Planungsvergleich würden wir beide Optionen getrennt ausweisen: Gibt es einen nahen Wärmeabnehmer mit passendem Bedarf? Oder könnte die Abwärme einen Kühlprozess unterstützen? Auch eine Kombination ist nicht automatisch möglich. Wärmeangebot, Jahresgang und benötigte Temperatur müssen zusammenpassen; dieselbe Energiemenge darf nicht zweimal als vollständig nutzbarer Gewinn gerechnet werden.
Welche Nachweise ein Betreiber verlangen sollte
Der japanische Ansatz erweitert die Diskussion über Rechenzentren. Für Schweizer und andere europäische Betreiber wäre der nächste Schritt ein Vergleich unter den eigenen Bedingungen. Entscheidend sind nachvollziehbare Betriebspunkte und eine vereinbarte Erfolgsmessung, nicht das Übernehmen eines Spitzenwerts aus einer Mitteilung.
- Elektrische und thermische Eingänge des gesamten Kühlpfads dokumentieren.
- Kühlleistung und Temperaturen bei den vorgesehenen Lasten prüfen.
- Wartung, Reservekühlung und zulässige Serverbedingungen berücksichtigen.
- Jahresergebnis mit einer klar benannten Referenzanlage vergleichen.

