Was die kanadische Untersuchung vergleicht
Der am 26. Mai 2026 bei IEA HPT veröffentlichte Konferenzbeitrag von Justin Tamasauskas, Alex Lachance und Martin Kegel vergleicht drei Datengrundlagen für Luft-Luft-Wärmepumpen: AHRI-Mindestdaten, kanadische Ergänzungen und vollständige Hersteller-Leistungstabellen. Simuliert werden vier Regionen, fünf Gebäudetypen und drei Baualtersklassen.
Laut dem veröffentlichten Abstract empfehlen die Autoren zusätzliche Leistungsangaben unter −15 °C und mehr COP-Angaben passend zu den Heizleistungsdaten. Das ist eine Aussage zur Datenqualität. Der Beitrag liefert damit weder eine allgemeine Ausfalltemperatur noch einen einheitlichen Stromverbrauch für alle Häuser.
Unsere Zusammenfassung stützt sich auf den offiziellen Abstract. Die Untersuchung ist simulationsbasiert; sie wird hier nicht als Feldtest dargestellt.
Heizleistung und Stromaufnahme gemeinsam lesen
Unsere praktische Einordnung: Fragen Sie bei einem Angebot nach zwei Werten für denselben Betriebspunkt. Wie viel Wärme kann die konkrete Anlage liefern, und welche elektrische Leistung benötigt sie dafür? Eine hohe Heizleistung allein beantwortet die Verbrauchsfrage nicht.
Ein frei gewähltes Rechenbeispiel: Liefert eine Wärmepumpe am betrachteten Betriebspunkt 6 kW Wärme bei COP 3, beträgt die elektrische Aufnahme rechnerisch 2 kW. Bei gleicher Wärmeleistung und COP 2 wären es 3 kW. Das sind Vergleichsannahmen zur Erklärung der Formel, keine Ergebnisse der kanadischen Untersuchung.
Warum aus einem COP noch kein Wintertagesverbrauch wird
Der COP beschreibt ein Verhältnis an einem bestimmten Betriebspunkt. Für einen ganzen Tag müssen die tatsächlich abgegebene Wärme und der zugehörige Strom über denselben Zeitraum betrachtet werden. Außentemperatur, Betriebszustände und Wärmebedarf bleiben nicht automatisch über 24 Stunden gleich.
Als eigene vereinfachte Tagesrechnung: 60 kWh abgegebene Wärme bei einer Tagesarbeitszahl von 3 ergeben 20 kWh Strom. Bei Tagesarbeitszahl 2 sind es 30 kWh. Ein gegebenenfalls zusätzlich erfasster Heizstab muss zur gewählten Messgrenze passen. Ist er bereits in Wärme und Strom des Tages enthalten, darf sein Verbrauch nicht nochmals addiert werden.
Diese Tageswerte ergeben keine Jahresarbeitszahl. Für die JAZ werden Wärme und Strom des vollständigen Jahres mit übereinstimmendem Anlagenumfang benötigt. Auch ein Jahresmittel pro Tag ist keine belastbare Vorhersage für eine Frostperiode.
Was sich auf DACH übertragen lässt – und was offenbleibt
Die methodische Frage ist auch hier sinnvoll: Welche Daten stützen die Auslegung und die Verbrauchsschätzung am konkreten Standort? Die kanadischen Simulationen dürfen jedoch nicht als Verbrauchsprognose für ein einzelnes Haus in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verwendet werden.
Besonders wichtig ist die Anlagenart. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe gibt Wärme an die Raumluft ab. Bei einer Luft-Wasser-Anlage gehört zusätzlich die erforderliche Heizwassertemperatur zur Bewertung des Betriebspunkts. Ein Luft-Luft-Wert ersetzt deshalb keine passenden Herstellerdaten für ein Heizkörpersystem.
Vier Fragen für das Gespräch mit dem Fachbetrieb
Nehmen Sie die berechnete Heizlast und die angebotene Gerätekombination gemeinsam zum Planungsgespräch mit. Lassen Sie die Annahmen hinter einer Jahresverbrauchszahl dokumentieren. So bleibt später nachvollziehbar, ob eine Abweichung aus dem Wetter, der Nutzung oder dem Anlagenbetrieb stammt.
- Welche lokale Auslegungstemperatur und welche Gebäudeheizlast wurden angesetzt?
- Welche Heizleistung und elektrische Aufnahme sind bei diesen Bedingungen dokumentiert?
- Bei Luft-Wasser-Systemen: Welche Vorlauf- und Rücklauftemperaturen liegen den Daten zugrunde?
- Wie werden Warmwasser, Abtauphasen, Hilfsstrom und möglicher Heizstabeinsatz in der Prognose berücksichtigt?
Quellen geprüft am 16.10.2026. Der kanadische Beitrag wurde am 26.05.2026 veröffentlicht. Zahlenbeispiele und Fragen für die Planung sind eigene redaktionelle Erläuterungen.


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