15.472 Wärmepumpen in sechs Monaten
Die Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz, kurz FWS, weist für das erste und zweite Quartal 2026 zusammen 15.472 verkaufte Wärmepumpen aus. Gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 entspricht das einem Plus von 22 Prozent. Damit ist die zu Jahresbeginn noch erwartete Stagnation nicht eingetreten.
Im zweiten Quartal erreichten Wärmepumpen 67 Prozent der verkauften Wärmeerzeuger, wenn Solaranlagen aus der Vergleichsbasis herausgenommen werden. Öl- und Gaskessel lagen im Quartalsvergleich 22 Prozent unter dem Vorjahr, Wärmepumpen 22 Prozent darüber.
Die FWS-Statistik beruht auf Selbstmeldungen von Herstellern und Lieferanten. Verkaufte Geräte sind nicht automatisch identisch mit den im selben Zeitraum fertig installierten Anlagen.
Luft/Wasser treibt die Erholung
Besonders stark wuchsen Luft/Wasser-Wärmepumpen: Geräte für die Innenaufstellung und für die Aussenaufstellung lagen im ersten Halbjahr jeweils 32 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Sole/Wasser-Wärmepumpen legten um 12 Prozent zu.
Das Bild ist trotzdem nicht überall positiv. Split-Systeme verloren 27 Prozent, Wasser/Wasser-Wärmepumpen 8 Prozent. Die Gesamtzahl beschreibt daher keine gleichmässige Entwicklung aller Bauarten, sondern vor allem einen kräftigen Schub bei Luft/Wasser-Lösungen.
Fachkräftemangel: real, aber nicht die ganze Erklärung
Die Vermutung, dass zu wenige Fachkräfte die Modernisierung bremsen, ist grundsätzlich richtig. EnergieSchweiz schreibt ausdrücklich, dass sich im Gebäudebereich ein Fachkräftemangel abzeichnet. Die gemeinsame Bildungsoffensive von Bund, Branche und Bildungsinstitutionen umfasst 32 Massnahmen, weil für den Heizungsersatz genügend und gut ausgebildete Fachpersonen gebraucht werden.
Auch der Branchenverband suissetec erklärte im April 2026, in Gebäudetechnik und Bauwirtschaft fehlten bereits qualifizierte Arbeitskräfte; in den kommenden Jahren gingen mehr Fachpersonen in Pension, als nachrückten. Zugleich müssten nach Angaben von EnergieSchweiz jährlich rund 36.000 Öl- und Gasheizungen durch erneuerbare Systeme ersetzt werden.
Für den Wärmepumpenmarkt ist das ein struktureller Kapazitäts- und Qualitätsengpass. In den ausgewerteten Marktberichten wird jedoch kein belastbarer Anteil ausgewiesen, der den Absatzrückgang 2024 und die Stagnation 2025 auf fehlendes Personal zurückführt. Das Plus von 22 Prozent im ersten Halbjahr 2026 zeigt zudem, dass der Markt trotz knapper Fachkräfte wachsen kann.
Fachkräftemangel und Absatzschwäche sind nicht dasselbe: Zu wenig Personal begrenzt die umsetzbare Projektmenge, während Preise, Regeln und Gebäudeeignung bereits die Investitionsentscheidung beeinflussen.
Warum die Sanierung im Bestand trotzdem langsam bleibt
Der Schweizer Marktbericht des IEA Heat Pumping Technologies Programme nennt für den Rückgang nach dem Rekordjahr 2023 höhere Strompreise, frühere Preisaufschläge und Lieferprobleme sowie einen kleineren Abstand der jährlichen Energiekosten zu fossilen Heizungen. Hinzu kommen Anforderungen an natürliche Kältemittel, Lärmschutz, Denkmalschutz und Bewilligungsverfahren.
GebäudeKlima Schweiz beschreibt für den Renovationsbereich ein ähnliches Muster: Ein Systemwechsel kostet zunächst mehr als der erneute Einbau einer Gasheizung. Im Bestand kommen bauliche Anpassungen und Bewilligungen hinzu; Unsicherheit bei Förderung und Kältemittelregeln kann Entscheidungen weiter verschieben.
Diese Faktoren widersprechen der Fachkräfte-These nicht. Sie wirken an einer anderen Stelle: Kosten und Unsicherheit bremsen die Nachfrage, fehlende Fachpersonen können danach Planung und Umsetzung verlangsamen. Ohne Projektdaten zu Wartezeiten, offenen Stellen und abgesagten Aufträgen lässt sich nicht seriös behaupten, welcher Faktor derzeit der grösste ist.
Die nächste Wachstumsstufe braucht mehr Kompetenz
2024 waren laut dem Schweizer Marktbericht 469.815 Wärmepumpen installiert; damit wurden 21 Prozent der bestehenden Gebäude beheizt. Das Ziel liegt bei 1,5 Millionen Anlagen bis 2050. Der Bericht kommt deshalb zum Schluss, dass sich der jährliche Absatz annähernd verdoppeln muss – besonders bei Gebäuden, die vor 2000 errichtet wurden.
Genau dort steigt der Planungsaufwand: Heizlast, Vorlauftemperatur, Wärmeverteilung, Schall, Platz, Stromanschluss und Bewilligung müssen zusammenpassen. Mehr Geräte allein reichen nicht. Benötigt werden Fachleute, die Systeme dimensionieren, hydraulisch einbinden, sauber in Betrieb nehmen und nach dem ersten Winter optimieren.
Der Engpass ist deshalb weniger ein Argument gegen die Wärmepumpe als eine Aufgabe für Ausbildung, Weiterbildung und bessere Abläufe. Standardisierte Planung und klare Zuständigkeiten können Fachzeit sparen, dürfen aber die Prüfung des einzelnen Gebäudes nicht ersetzen.
Was Eigentümer jetzt konkret tun sollten
Wer eine fossile Heizung ersetzen will, sollte nicht erst bei einem Defekt nach einem Betrieb suchen. EnergieSchweiz empfiehlt eine frühe Beratung durch eine Wärmepumpen-Fachperson; je nach Kanton, Gerät und Aufstellort kommen Lärmschutznachweis, Melde- oder Baubewilligung und bei Erdsonden eine Bohrbewilligung hinzu.
Ein vollständiges Angebot macht knappe Fachkapazität besser vergleichbar. Es sollte Planung, Nebenarbeiten, Inbetriebnahme, Dokumentation und Optimierung enthalten – nicht nur das Gerät. Eine kurze Lieferzeit ist weniger wert als eine belastbare Auslegung und ein klar benannter Ansprechpartner.
- Heizlast und erforderliche Vorlauftemperatur vor der Gerätewahl ermitteln
- Schall, Aufstellort, Stromanschluss und kantonales Bewilligungsverfahren früh klären
- Förderfähigkeit vor Vertragsabschluss offiziell bestätigen lassen
- Komplette Offerten mit Hydraulik, Elektroarbeiten, Inbetriebnahme und Einregulierung vergleichen
- Qualifikation, Referenzen und Servicekapazität des Betriebs prüfen
- Verbrauch und Einstellungen nach dem ersten Winter auswerten und optimieren
DACH 2026: drei Märkte, drei Richtungen
Die Halbjahreszahlen zeigen, wie unterschiedlich der DACH-Raum derzeit läuft: Deutschland meldete 40 Prozent mehr verkaufte Heizungswärmepumpen, Österreich 20 Prozent weniger und die Schweiz 22 Prozent mehr. Die Technik ist ähnlich, doch Förderung, Energiepreise, Regeln und Marktzyklen unterscheiden sich.
Aus diesen Prozentwerten lässt sich kein Länder-Ranking für Installationsqualität ableiten. Sie zeigen aber, dass Fachkräftepolitik mit verlässlichen Rahmenbedingungen zusammengedacht werden muss: Betriebe bilden eher aus und bauen Kapazität auf, wenn sie mit einer stabilen Nachfrage rechnen können.
Das Urteil: Engpass ja, Alleinerklärung nein
Der Fachkräftemangel ist kein Nebenthema. Wenn die Schweiz den Wärmepumpenabsatz in Richtung ihrer Klimaziele nahezu verdoppeln will, werden Planung, Installation und Service zu einem entscheidenden Flaschenhals.
Für die schwache Modernisierung im Bestand ist er nach heutigem Quellenstand aber nicht die alleinige Hauptursache. Die direkt dokumentierten Hürden reichen von Kosten und Energiepreisen über technische Umbauten bis zu Bewilligungen und unsicheren Regeln. Die wirksame Antwort besteht deshalb aus beidem: mehr qualifizierten Fachkräften und einfacheren, verlässlichen Projektrahmen.

