Warum Tonnen-, Ster- und Kubikmeterpreise täuschen können

Holzbrennstoffe werden je nach Anbieter in Tonnen, Raummetern, Festmetern, Ster oder Schüttraummetern angeboten. Diese Einheiten beschreiben nicht dieselbe Brennstoffmenge. Zusätzlich verändern Wassergehalt, Holzart, Korngröße und Verdichtung den Energieinhalt.

Ein niedriger Preis je Schüttraummeter kann deshalb mehr kosten als ein höherer Preis für trockeneres Material. Belastbar wird der Vergleich erst, wenn Preis, Lieferung und nutzbare Wärmemenge auf dieselbe Grundlage umgerechnet werden.

  • Brutto- oder Nettopreis
  • Lieferung, Abladen und Einblasen enthalten oder zusätzlich
  • Wassergehalt beziehungsweise Holzfeuchte
  • Holzart und Qualitätsklasse
  • Menge und Verkaufseinheit
  • Heizwert und realistischer Jahresnutzungsgrad

Deutschland: aktuelle Hackschnitzel-Benchmarks

C.A.R.M.E.N. erhebt quartalsweise deutsche Marktpreise für Waldhackschnitzel. Für das 2. Quartal 2026 wird im bundesweiten Mittel ein Bruttopreis von 108,46 Euro je Tonne bei Wassergehalt 35 Prozent und 158,94 Euro je Tonne bei Wassergehalt 20 Prozent ausgewiesen.

Die zugrunde liegenden Lieferfälle unterscheiden sich: Für WG 35 wird eine Lieferung von 80 Schüttraummetern, für WG 20 eine Lieferung von 30 Schüttraummetern im Umkreis von 20 Kilometern betrachtet. Die Werte sind Markt-Benchmarks und kein Angebot für jede Postleitzahl.

  • WG 35, Deutschland gesamt: 108,46 €/t brutto
  • WG 20, Deutschland gesamt: 158,94 €/t brutto
  • Region Nord und Süd weisen deutlich unterschiedliche Mittelwerte auf
  • Transportentfernung und Liefermenge vor dem Vergleich angleichen
Trockeneres Hackgut ist je Tonne teurer, enthält aber weniger Wasser. Deshalb zusätzlich den Preis je MWh Brennstoff- und Nutzwärme berechnen.

Österreich: Energieholzindex statt Scheinpräzision

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich veröffentlicht einen österreichweit berechneten Energieholzindex auf Basis von Statistik-Austria-Daten. Er setzt sich aus Brennholz hart und weich, Faserholz, Schleifholz, Sägehackgut und Sägespänen zusammen.

Für das 2. Quartal 2026 beträgt der Index 2,351 nach 2,282 im 1. Quartal. Die zugrunde liegenden Preise verstehen sich frei Waldstraße oder Sägewerk und ohne Umsatzsteuer. Der Index eignet sich zur Preisentwicklung und für Vertragsklauseln, ersetzt aber kein vollständiges Angebot frei Heizraum.

  • Transport zum Gebäude separat prüfen
  • Umsatzsteuer und Aufbereitung nicht vergessen
  • Hackgutqualität und Wassergehalt vertraglich festlegen
  • Bei Wärmelieferverträgen verwendete Indexgewichtung offenlegen lassen

Schweiz: Preisindex für langfristige Verträge

Holzenergie Schweiz stellt einen Schnitzelpreisindex bereit, der aus fünf Teilindizes des Bundesamts für Statistik aufgebaut ist. Die Gewichtung kann von den Vertragspartnern angepasst oder durch einen anderen Index ersetzt werden.

Der Index beschreibt eine Preisentwicklung und keinen einheitlichen Schweizer Endkundenpreis. Für das konkrete Angebot müssen Brennstoffklasse, Wassergehalt, Menge, Transportweg, Abrechnungseinheit und Preisgleitklausel dokumentiert sein.

  • Preis je Tonne, Schüttraummeter oder gelieferter MWh eindeutig benennen
  • Mess- und Abrechnungsverfahren für den Wassergehalt festlegen
  • Lieferfenster, Mindestmenge und Zufahrt prüfen
  • Index, Basisdatum und Anpassungsrhythmus in den Vertrag schreiben
Ein Index schützt nicht automatisch vor einem schlechten Vertrag. Entscheidend sind Basispreis, Gewichtung und die tatsächlich gelieferte Brennstoffqualität.

Scheitholz: der Arbeitsaufwand gehört zum Preis

Scheitholz kann besonders günstig sein, wenn eigenes Holz, Maschinen, Lagerplatz und Arbeitszeit vorhanden sind. Beim Kauf unterscheiden sich Angebote jedoch stark nach Holzart, Feuchte, Stücklänge, gestapelter oder geschütteter Einheit und Lieferleistung.

Frisches Holz darf nicht wie ofenfertiges trockenes Holz bewertet werden. Trocknung bindet Fläche und Zeit; Sägen, Spalten, Stapeln, Nachlegen, Reinigung und Ascheentsorgung sind reale Arbeit.

  • Ster, Raummeter und Schüttraummeter nicht gleichsetzen
  • Restfeuchte bei Lieferung messen und dokumentieren
  • Hart- und Weichholz nicht nur nach Volumen vergleichen
  • Lieferung, Abladen und Stapeln separat ausweisen
  • Eigenarbeit mit einem realistischen Stundenwert rechnen

So wird aus dem Angebot ein fairer Wärmepreis

Zuerst wird der gelieferte Brennstoff auf seinen Energieinhalt umgerechnet. Danach werden Kessel- und Betriebsverluste abgezogen. Erst dann stehen die nutzbaren Kilowattstunden fest, auf die Brennstoffpreis, Transport und laufende Kosten verteilt werden.

Für den Systemvergleich kommen Hilfsstrom, Wartung, Kaminfeger, Reinigung, Reparaturrücklage, Lagertechnik und Finanzierung hinzu. Genau dieselbe Nutzwärmemenge muss anschließend mit der Wärmepumpe gerechnet werden.

  • Gelieferte Brennstoffmenge und gemessenen Wassergehalt festhalten
  • Vollständigen Lieferpreis einschließlich aller Zuschläge verwenden
  • Realistischen Jahresnutzungsgrad statt Prospektwert einsetzen
  • Preis je nutzbarer kWh und Jahresgesamtkosten berechnen
  • Günstiges, realistisches und teures Preisszenario über 15 bis 20 Jahre vergleichen