Rechner in der Praxis
Betriebscheck-Rechner: JAZ 3,6 – warum der Score trotzdem nur 62 beträgt
Die große Zahl sieht ordentlich aus: 3,6. Daneben stehen aber nur 62 von 100 Punkten. Ist die Wärmepumpe schlecht? Wir rechnen den Betriebscheck mit einem angenommenen Datensatz vollständig durch und zeigen, welche Aussage hinter jeder Anzeige steckt.

In diesem Artikel
Kurz eingeordnet
Das Wichtigste auf einen Blick
3,6 ist bei 180 Tagen eine Arbeitszahl dieser Teilperiode, auch wenn die Oberfläche das Feld mit JAZ bezeichnet.
Der Score kombiniert fünf redaktionelle Punktgruppen und gegebenenfalls einen Komfortabzug. Er ist kein Prüfzeugnis.
Eine lineare Hochrechnung mit 365 geteilt durch Messtage berücksichtigt weder Jahreszeiten noch Wetter.
Die Frage hinter der großen Zahl
Unser Betriebscheck verbindet Energiemengen mit Heizstab, Verdichterdaten und einer Temperaturbeobachtung. Er berechnet die Arbeitszahl aus Ihren Eingaben und ordnet weitere Kennzahlen über eine eigene Punktelogik ein. Genau diese Verknüpfung ist hier das Thema. Die allgemeinen Grundlagen zur Messung und zur Optimierung finden Sie in den verlinkten bestehenden Ratgebern.
Alle folgenden Betriebswerte sind ausdrücklich eigene Modellannahmen. Es handelt sich weder um ein dokumentiertes Haus noch um Ergebnisse einer Feldstudie oder eine Einsparzusage. Auch die späteren Varianten sind voneinander unabhängige Rechenfälle.
Die Verbraucherzentrale erklärt die Jahresarbeitszahl anhand abgegebener Wärme und Strom desselben vollständigen Jahres. Der Betriebscheck akzeptiert dagegen auch kürzere Zeiträume. Seine Bezeichnung JAZ macht aus einem Halbjahresquotienten noch keinen Jahresnachweis.
Das Modellprofil vollständig eingeben
Wählen Sie Deutschland und Luft-Wasser. Tragen Sie anschließend den angenommenen Arbeitspreis von 0,32 €/kWh ein. Ein Wechsel des Landes setzt den Preis auf dessen Startwert zurück. Unser Preis ist keine aktuelle Tarifofferte; in Österreich oder der Schweiz verwenden Sie Ihre eigenen Vertragsdaten und die passende Währung.
Wärme, Strom, Heizstab, Laufzeit und Starts müssen dieselben 180 Tage betreffen. Bei fortlaufenden Zählern gehören deshalb die Differenzen zwischen Anfangs- und Endständen in die Felder. Lebenslange Verdichterstarts neben Halbjahresstunden würden einen falschen Quotienten ergeben.
Der Heizstabstrom ist bereits Teil der 3.000 kWh Systemstrom. Das Feld heißt bewusst Davon Heizstabstrom: Die Anwendung addiert die 240 kWh nicht nochmals. Auch direkt verbrauchter PV-Strom gehört in eine technische Systemstrombilanz. Nur den Netzbezug einzusetzen wäre bei Eigenstromnutzung eine andere Messgrenze.
Setzen Sie beide Datenquellen auf separater geeichter beziehungsweise externer Zähler und bestätigen Sie passenden Komfort. Die Zählerauswahl ist eine Angabe des Nutzers, keine automatische Überprüfung der Messinstallation.
| Eingabe | Wert |
|---|---|
| Markt / Wärmequelle | Deutschland / Luft-Wasser |
| Messzeitraum / beheizte Fläche | 180 Tage / 150 m² |
| Warmwasser enthalten | Ja |
| Abgegebene Wärme / Systemstrom | 10.800 / 3.000 kWh |
| Davon Heizstabstrom | 240 kWh |
| Strompreis | 0,32 €/kWh |
| Quelle Wärme / Strom | Jeweils externer Zähler |
| Verdichterlaufzeit / Starts | 960 Stunden / 1.600 |
| Vorlauf / zugehörige Außentemperatur | 52 °C / −5 °C |
| Komfort | Ja, Komfort passt |
Arbeitszahl, Heizstab und Laufzeit nachrechnen
Die Arbeitszahl lautet 10.800 kWh Wärme ÷ 3.000 kWh Strom = 3,6. Die Kilowattstunden kürzen sich heraus. Dieser Quotient beschreibt ausschließlich den eingegebenen Zeitraum. Der Rechner verändert ihn nicht durch den Hochrechnungsfaktor.
Der Heizstabanteil beträgt 240 ÷ 3.000 × 100 = 8,0 Prozent. Gemeint ist ein Anteil am elektrischen Systemverbrauch. Das sind nicht acht Prozent der abgegebenen Wärme: Für einen thermischen Deckungsanteil fehlen eine passend abgegrenzte Wärmemenge des Heizstabs und die zugehörige Bilanz.
Für die Verdichterlaufzeit je Start gilt 960 Stunden ÷ 1.600 Starts = 0,6 Stunden. Das entspricht 36 Minuten als rechnerischem Durchschnitt. Einzelne viel kürzere oder längere Laufphasen bleiben darin unsichtbar. Auch Betriebsarten und Abschaltgründe lassen sich daraus nicht rekonstruieren.
Der Betriebscheck markiert hier den Heizstabanteil über fünf Prozent und die mittlere Laufzeit unter 1,5 Stunden. Das sind redaktionelle Prüfsignale des Tools, keine herstellerübergreifenden Defektgrenzen. Ursachen gehören anhand von Verlauf, Gerät und Hydraulik geklärt; die Zahl allein rechtfertigt weder eine Sperre des Heizstabs noch eine Änderung von Serviceparametern.
Wie die 62 Punkte entstehen
Für Luft-Wasser verwendet das Programm einen redaktionellen Arbeitszahl-Orientierungswert von 3,5. Unsere 3,6 erreicht ihn und bekommt die vollen 40 Punkte dieser Gruppe. Ein guter Quotient kann jedoch die anderen Gruppen nicht ersetzen.
Die Tabelle zerlegt den Score exakt für unser Profil. Mit 8 Prozent Heizstabanteil fallen neun Punkte an, mit 0,6 Stunden je Start zwei. 52 °C Vorlauf liegen in der Stufe über 50 bis einschließlich 55 °C. Der Datenblock bekommt für mindestens 180 Tage drei Punkte. Der passende Komfort verursacht keinen Abzug.
Zusammen ergibt das 40 + 9 + 2 + 8 + 3 = 62. Damit zeigt die Anwendung Betrieb genauer prüfen. Ein Score ab 48 bis unter 68 landet in dieser Kategorie; ab 68 folgt die nächste Stufe. Die stärkste Einordnung verlangt mindestens 85 Punkte und höchstens eine Auffälligkeit.
Keiner dieser Übergänge ist eine physikalische Sprungstelle. 50 statt 50,1 °C kann die Temperaturgruppe wechseln, ohne dass die Anlage plötzlich technisch eine andere wäre. Lesen Sie deshalb Kennzahlen und Hinweise vor dem zusammengefassten Urteil.
| Gruppe | Entscheidende Eingabe | Punkte |
|---|---|---|
| Arbeitszahl | 3,6 ≥ Luft-Wasser-Ziel 3,5 | 40 |
| Heizstab | 8 %: über 5 bis einschließlich 10 % | 9 |
| Laufzeit je Start | 0,6 h: unter 0,75 h | 2 |
| Vorlauf | 52 °C: über 50 bis einschließlich 55 °C | 8 |
| Daten | 180 Tage | 3 |
| Komfortabzug | Komfort bestätigt | 0 |
| Gesamt | 40 + 9 + 2 + 8 + 3 | 62 / 100 |
Drei Fälle mit derselben Arbeitszahl vergleichen
Fall B ist ein vollständiges angenommenes 365-Tage-Profil. Wir verdoppeln gegenüber A Wärme, Strom, Heizstab, Stunden und Starts. Das ist eine neue Modellannahme, keine Rekonstruktion eines echten zweiten Halbjahrs. Quotient, Heizstabanteil und Laufzeit je Start bleiben dadurch unverändert.
Nur der Datenblock steigt von drei auf fünf Punkte, weil mindestens 330 Tage und zwei externe Zähler angegeben sind. Die Warnung zum kurzen Zeitraum entfällt. Der Score erreicht 64, bleibt aber in derselben Kategorie. Die programminterne Schwelle von 330 Tagen ersetzt kein vollständiges Betriebsjahr.
Fall C hält Wärme und Systemstrom aus B fest, setzt aber unabhängig davon 120 kWh Heizstab, 600 Starts bei 1.920 Stunden und 45 °C Vorlauf an. Das ergibt zwei Prozent, 3,2 Stunden je Start und 97 Punkte. Es ist ein Vergleich der Gewichtung, kein Versprechen, diese Werte durch eine bestimmte Einstellung gemeinsam zu erreichen.
Die gleiche Arbeitszahl 3,6 führt also zu drei unterschiedlichen Ergebnissen. Umgekehrt beweist selbst der hohe Score keine korrekte Messgrenze, mängelfreie Installation oder vollständige Versorgung aller Räume. Stimmen die Eingaben nicht, wird eine präzise dargestellte Zahl nicht belastbarer.
| Kennzahl | A: 180 Tage | B: 365 Tage | C: andere Betriebswerte |
|---|---|---|---|
| Wärme / Systemstrom | 10.800 / 3.000 kWh | 21.600 / 6.000 kWh | 21.600 / 6.000 kWh |
| Arbeitszahl | 3,6 | 3,6 | 3,6 |
| Heizstabstrom / Anteil | 240 kWh / 8 % | 480 kWh / 8 % | 120 kWh / 2 % |
| Laufzeit / Starts | 960 h / 1.600 | 1.920 h / 3.200 | 1.920 h / 600 |
| Stunden je Start | 0,6 | 0,6 | 3,2 |
| Vorlauf bei −5 °C | 52 °C | 52 °C | 45 °C |
| Score / Einordnung | 62 · genauer prüfen | 64 · genauer prüfen | 97 · wirkt plausibel |
Die Jahreshochrechnung ist keine Wetterbereinigung
Für Fall A setzt das Programm den Faktor 365 ÷ 180 = 2,027777… an. Daraus folgen 3.000 × 365 ÷ 180 = 6.083,333… kWh Strom pro 365 Tage. Mit 0,32 €/kWh werden 1.946,666… € angezeigt, gerundet 1.947 €. Die tatsächlich angenommenen Stromkosten der eingegebenen Teilperiode sind dagegen 3.000 × 0,32 = 960 €. Diese 960 € sind unser zusätzlicher Rechenschritt, kein eigenes Ergebnisfeld.
Die Wärmehochrechnung beträgt 10.800 × 365 ÷ 180 = 21.900 kWh. Geteilt durch 150 m² entstehen 146 kWh/m²a. Weil Warmwasser als enthalten angegeben wurde, ist das hier keine reine Raumheizungskennzahl.
Ein Heizwinter, ein milder Herbst und ein Warmwassersommer haben unterschiedliche Lasten. Die Anwendung verwendet keine Wetterdaten, Heizgradtage oder Monatsgewichte. Ihre lineare Jahresanzeige ist deshalb weder eine Jahresprognose noch ein Tarifangebot. Grundpreise, Messkosten und unterschiedliche Preise für PV- und Netzstrom werden nicht separat abgebildet.
Was Länderwahl, Wärmequelle und Schalter wirklich ändern
Die Wärmequelle verändert den redaktionellen Zielwert: Luft-Wasser 3,5, Erdreich 4,0 und Wasser-Wasser 4,2. Lassen wir die Zahlen von A unverändert und wechseln allein die Quelle, sinken die Arbeitszahlpunkte von 40 auf 30 beziehungsweise 18. Der Gesamtscore wird 52 beziehungsweise 40. Der gemessene Quotient bleibt 3,6.
Dieser Kontrollversuch bewertet die Softwarelogik. Er ist kein sachgerechter Gerätevergleich und sagt nicht, dass eine Brunnenanlage mit denselben erfundenen Daten tatsächlich mangelhaft wäre. Die Zielwerte sind keine Förderanforderungen für Deutschland, Österreich oder die Schweiz.
Warmwasser-Häkchen und Außentemperatur dienen in dieser Version der Beschreibung. Sie korrigieren weder Wärmemenge noch Punktzahl automatisch. Das Vorlauffeld beeinflusst dagegen den Temperaturblock. Wer Komfort auf Nein stellt, verliert zusätzlich acht Punkte und bekommt eine priorisierte Komfortprüfung.
Auch die Datenqualität wirkt nicht als rechnerischer Korrekturfaktor der Arbeitszahl. Bei 365 Tagen und einer Schätzung statt eines externen Zählers bleibt der Quotient gleich; die Datenpunkte fallen auf drei und es erscheint ein Hinweis zur Messgrenze. Der BWP-Rechner nach VDI 4650 ist wiederum ein anderes Werkzeug zur rechnerischen Bewertung anhand von Planungsdaten. Unser Betriebscheck berechnet diesen Normnachweis nicht.
Aus dem Bericht einen überprüfbaren nächsten Schritt machen
Für A stehen drei konkrete Prüfpunkte fest: Teilperiode, acht Prozent Heizstabstrom und kurze durchschnittliche Laufzeit. Die Arbeitszahl löst beim gewählten Luft-Wasser-Ziel keine zusätzliche Warnung aus. Besprechen Sie zuerst den Messumfang, danach Heizstabanlässe und den zeitlichen Verdichterverlauf.
Prüfen Sie die Eingaben zusätzlich selbst: Heizstabstrom darf in einer stimmigen Davon-Bilanz nicht größer als der Systemstrom sein. Null Strom liefert im Tool rechnerisch null statt eines verwertbaren Quotienten. Solche Angaben sind keine sinnvolle Effizienzmessung; die Oberfläche kann nicht jede widersprüchliche Kombination verhindern.
Mit Bericht drucken / PDF öffnet sich der Browserdruck. Das Tool speichert die Eingaben nicht. Bewahren Sie deshalb den Bericht samt Zählernummern, Zeitraum und Ausgangswerten selbst auf. Nach einer fachlich begründeten Änderung lässt sich mit derselben Messgrenze weiter beobachten.
Der Nutzen liegt in der nachvollziehbaren Prüfreihenfolge. Ein hoher Score ersetzt keine Diagnose; ein niedriger Score benennt zunächst Fragen. Für den Fachbetrieb sind vollständige Zählerdifferenzen und ein dokumentierter Verlauf hilfreicher als ein isolierter Punktestand.
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