Rechner in der Praxis

Hydraulischer Abgleich: Drei Räume, zwei Spreizungen und die passenden Ventildaten

Der Rechner zeigt 129 Liter pro Stunde für einen Heizkörper. Welche Ventileinstellung folgt daraus? Noch keine: Zuerst müssen Temperaturspreizung, Ventilmodell und verfügbarer Differenzdruck zusammenpassen. Wir rechnen drei Räume durch und zeigen, warum eine plausible Wassermenge allein keine fertige Einstellung ergibt.

Heizungstechnikerin liest ein Raumprotokoll neben einem Heizkörper mit Thermostatventil
Raumheizlast, geplante Temperaturen und Ventildaten gehören gemeinsam in ein nachvollziehbares Abgleichprotokoll.
In diesem Artikel

Kurz eingeordnet

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Bei unveränderter Raumheizlast verdoppelt eine halbierte Spreizung den berechneten Wasserbedarf.

  2. Der Druckabfall über dem Ventil entscheidet mit über den benötigten kv-Wert. Pumpenförderhöhe ist dafür kein Ersatz.

  3. Die Raumliste liefert Auslegungsziele und ein Protokoll. Rohrnetz, Pumpen und Herstellergrenzen müssen zusätzlich geprüft werden.

Was dieser Rechner tatsächlich beantwortet

Unser Raum-Rechner zum hydraulischen Abgleich übersetzt eine vorgegebene Raum- oder Teilheizlast in einen Soll-Durchfluss. Anschließend lässt sich optional prüfen, ob dieser Wert zu eingegebenen Ventilgrenzen passt oder welcher kv-Wert bei einem bestimmten Ventildruck benötigt wird. Das Werkzeug ermittelt die Raumheizlast selbst nicht.

Der frühere Heizkörper-Beitrag untersucht, welche Leistung eine Heizfläche bei niedrigeren Wassertemperaturen abgeben kann. Hier rechnen wir vom benötigten Wärmestrom zur Wassermenge und weiter zum Ventil. Ein ausreichend großer Heizkörper kann hydraulisch falsch versorgt werden; umgekehrt macht mehr Wasser eine zu kleine Heizfläche nicht beliebig leistungsfähig.

Die Danfoss/Grundfos-Grundlagen für Zweirohr-Heizkörpersysteme behandeln Raumlast, Auslegungstemperaturen und Ventildruck als zusammenhängende Größen. Unser Beispiel folgt dieser Beziehung, übernimmt aber keine dort genannten Einsparquoten oder Projektergebnisse.

Drei Räume mit klar gekennzeichneten Annahmen

Sämtliche Raumlasten, Temperaturen, Drücke und Modellventildaten in diesem Beitrag sind frei gewählte Annahmen. Es handelt sich weder um ein dokumentiertes Haus noch um gemessene Betriebsergebnisse. Für die eigene Anlage übernehmen Sie die projektspezifisch ermittelten Raumheizlasten.

Wir verwenden Wohnzimmer 1.500 W, Arbeitszimmer 900 W und Bad 750 W. Jeder Raum wird im Modell von genau einem Heizkörper versorgt. Alle drei Einträge beginnen mit 45 °C Vorlauf und 35 °C Rücklauf. Die höheren Komfortanforderungen eines Bads müssten bereits in dessen Heizlast und Heizflächenauslegung enthalten sein; ein separates Raumtemperaturfeld besitzt dieses Tool nicht.

Öffnen Sie „Leeres Projekt“, vergeben Sie eine unverfängliche Projektbezeichnung und tragen Sie je Heizfläche Name, Raum-/Teilheizlast, Auslegungs-Vorlauf und Auslegungs-Rücklauf ein. Ergänzen Sie die beiden weiteren Einträge über „Raum / Heizfläche hinzufügen“. Die beim ersten Öffnen sichtbaren drei Beispielräume sind andere frei gewählte Startwerte; unser Modell wird bewusst neu eingegeben.

Bei zwei Heizkörpern in einem Raum darf nicht zweimal die volle Raumlast eingetragen werden. Eine angenommene Aufteilung von 1.500 W auf 900 und 600 W ergibt zwei Teilheizlasten mit zusammen weiterhin 1.500 W. Die richtige Aufteilung hängt von den tatsächlich vorgesehenen Heizflächen ab und muss fachlich begründet sein.

Vom Wattwert zu Litern pro Stunde

Zunächst bildet das Programm die Spreizung: 45 − 35 = 10 K. Temperaturdifferenzen werden in Kelvin angegeben; der Zahlenabstand entspricht hier zehn Celsiusgraden. Für Heizungswasser ohne Glykol verwendet der Rechner näherungsweise 1,163 Wh/(l·K). Er rechnet Soll-Durchfluss = Heizlast in W ÷ (1,163 × Spreizung in K).

Für das Wohnzimmer folgt Schritt für Schritt: 1,163 × 10 = 11,63 Wh/l. Danach 1.500 W ÷ 11,63 Wh/l = 128,9768 l/h. Gerundet zeigt der Rechner 129 l/h und 2,1 l/min. Für das Arbeitszimmer ergeben sich 77,3861 l/h und für das Bad 64,4884 l/h.

Die Lastsumme beträgt 1.500 + 900 + 750 = 3.150 W beziehungsweise 3,15 kW. Die Oberfläche rundet diese Zusammenfassung auf 3,2 kW. Intern summiert sie die ungerundeten Durchflüsse zu 270,8512 l/h; angezeigt werden 270,9 l/h. Eine Nachrechnung mit bereits gerundeten Bildschirmwerten kann deshalb geringfügig abweichen.

Nun verändern wir bei allen Räumen nur den Rücklauf auf 40 °C: 45 − 40 = 5 K. Der Nenner halbiert sich auf 5,815 Wh/l, der berechnete Durchfluss verdoppelt sich. Diese Variante hält die angenommene Last konstant. Sie beweist nicht, dass die reale Anlage ihre Rücklauftemperatur bei unveränderter Heizkurve genau so erreicht; die Heizkörperleistung wird hier nicht erneut berechnet.

Modellvergleich bei unveränderten Raumlasten, Werte auf eine Nachkommastelle
RaumLast45/35 °C · 10 K45/40 °C · 5 K
Wohnzimmer1.500 W129,0 l/h258,0 l/h
Arbeitszimmer900 W77,4 l/h154,8 l/h
Bad750 W64,5 l/h129,0 l/h
Summe vor Anzeige-Rundung der Last3.150 W270,9 l/h541,7 l/h

Dynamische Ventile: Den zulässigen Bereich prüfen

Klappen Sie am Wohnzimmer „Ventil prüfen und Datenblatt zuordnen“ auf und wählen Sie „Druckunabhängig / dynamisch“. Benötigt werden exakte Hersteller-/Typbezeichnung, Differenzdruck am Ventil sowie kleinster und größter einstellbarer Durchfluss und zulässiger Druckbereich.

Für unsere reine Rechenübung tragen wir als Bezeichnung „Modellventil – keine Herstellerfreigabe“ ein. Angenommen werden 10 bis 130 l/h sowie 10 bis 60 kPa. Das sind ausdrücklich Modellgrenzen, keine Daten eines ausgewählten Fabrikats. Bei einer tatsächlichen Anlage müssen sie durch die Werte der passenden Ausführung und des richtigen Regelzustands ersetzt werden.

Mit 20 kPa und 129 l/h liegt das Wohnzimmer innerhalb dieser Modellbereiche. Bei nur 8 kPa fehlt dagegen der angenommene Mindestdruck. Wird bei 20 kPa auf 5 K Spreizung gewechselt, überschreiten die benötigten 258 l/h die Obergrenze. Der Rechner klemmt diesen Bedarf nicht auf 130 l/h; ein solcher Grenzwert würde die erforderliche Versorgung nicht nachweisen.

Warum das genaue Datenblatt zählt, zeigt beispielsweise Danfoss RA-DV: Das Datenblatt 12/2025 unterscheidet den maximalen Durchfluss bei voller Öffnung von Werten mit unterschiedlichen Thermostatfühlern. Aus der allgemeinen Angabe einer Ventilfamilie darf deshalb keine universelle Skalenstellung abgeleitet werden. Unser Tool vergleicht eingegebene Grenzen, es kennt diese Produktdetails nicht automatisch.

Dynamischer Vergleich mit ausschließlich angenommenen Grenzen 10–130 l/h und 10–60 kPa
VarianteSollVentildruckErgebnis im Modell
Wohnzimmer · 10 K129,0 l/h20 kPaDurchflussziel im Ventilbereich
Wohnzimmer · 10 K129,0 l/h8 kPaDifferenzdruck passt nicht
Wohnzimmer · 5 K258,0 l/h20 kPaAußerhalb des Einstellbereichs
Arbeitszimmer · 5 K154,8 l/h20 kPaAußerhalb des Einstellbereichs
Bad · 5 K129,0 l/h20 kPaDurchflussziel im Ventilbereich

Konventionelle Ventile: kv mit korrekten Einheiten

Für dieselbe Wohnzimmerlast bei 45/35 °C wechseln wir auf „Konventionell, mit kv-Kennlinie“. Zunächst bleibt das Tabellenfeld leer. Bei angenommenen 10 kPa Ventildruck gilt: 10 kPa ÷ 100 = 0,1 bar. Der Durchfluss wird ebenfalls umgerechnet: 128,9768 l/h ÷ 1.000 = 0,1289768 m³/h.

Damit lautet die Rechnung kv = 0,1289768 ÷ √0,1 = 0,4078604 m³/h beim Bezugsdruck 1 bar. Das Tool zeigt 0,4079. Die Herstellerunterlage zum Danfoss-Durchflusseinsatz erläutert diese Beziehung und trennt kv im definierten Regelzustand von kvs bei voller Öffnung. Diese Größen sollten nicht ungeprüft gegeneinander ausgetauscht werden.

Für den optionalen Tabellenvergleich nutzen wir jetzt drei rein erfundene Punkte: M1 mit kv 0,2, M2 mit 0,3 und M3 mit 0,4 m³/h. Sie gehören zu unserem benannten Modellventil und sind keine Herstellerkennlinie. Im eigenen Fall kopieren Sie ausschließlich Daten der genauen Baugröße und passenden Kennlinie. Geben Sie die folgenden drei Zeilen einzeln mit Semikolon ein.

  • M1;0,2
  • M2;0,3
  • M3;0,4

Der nächste Tabellenpunkt ist noch keine Freigabe

Das Programm berechnet für jeden eingegebenen Punkt den Durchfluss bei Ihrem Ventildruck und wählt die kleinste absolute Abweichung vom Soll. Bei 10 kPa liefert M3 mit kv 0,4 rechnerisch 0,4 × √0,1 × 1.000 = 126,4911 l/h. Die Abweichung beträgt (126,4911 ÷ 128,9768 − 1) × 100 = −1,9272 Prozent.

Bei angenommenen 20 kPa passt stattdessen M2 am nächsten. Bei 5 kPa reicht selbst M3 nicht in die Nähe des Solls. Der berechnete Soll-Durchfluss bleibt in allen drei Fällen gleich; nur die Ventilanforderung und der Tabellenvergleich ändern sich.

Die Grenze von höchstens zehn Prozent absoluter Abweichung gehört zur Statuslogik dieses Werkzeugs. Sie ist kein allgemeiner technischer Toleranznachweis. Auch „Nächster Datenblattpunkt“ bestätigt weder Ventilautorität noch Regelverhalten oder die tatsächliche Einstellung bei der Inbetriebnahme.

Setzen Sie hier nicht die gesamte Pumpenförderhöhe ein. Rohrleitungen, Heizkörper und weitere Armaturen beanspruchen ebenfalls Druck. Welche Differenz am betrachteten Ventil verfügbar ist, ergibt sich aus Planung beziehungsweise Messung. Eine höhere Pumpeneinstellung ist deshalb keine automatische Lösung für jeden kalten Raum.

Konventioneller Modellvergleich: Wohnzimmer 1.500 W, 45/35 °C und dieselben drei fiktiven Tabellenpunkte
VentildruckBenötigter kvNächster PunktDessen DurchflussAbweichung / Status
5 kPa0,5768 m³/hM3 · 0,489,4 l/h−30,7 % · kein naher Datenblattpunkt
10 kPa0,4079 m³/hM3 · 0,4126,5 l/h−1,9 % · nächster Datenblattpunkt
20 kPa0,2884 m³/hM2 · 0,3134,2 l/h+4,0 % · nächster Datenblattpunkt

Raumliste sichern und unvollständige Summen erkennen

Der Rechner kann bis zu 40 Einträge führen. Ein Raum mit berechenbarer Last und Spreizung zählt zur Zusammenfassung, auch wenn seine Ventildaten noch offen sind. Ein Fehler bei Last oder Temperaturen schließt seinen Durchfluss dagegen aus. Achten Sie deshalb immer auf „Berechenbare Räume / Heizflächen“: Eine Zwischensumme von zwei gültigen Einträgen aus drei ist kein vollständiger Anlagenwert.

Die Eingaben bleiben erst nach „Entwurf speichern“ als Entwurf auf diesem Gerät verfügbar. Änderungen werden nicht automatisch zu einer gesicherten Revision. Mit „Leeres Projekt“ beginnen Sie neu; den vorher gespeicherten Stand ersetzen Sie erst durch erneutes Speichern. Ein anderer Browser oder gelöschte Websitedaten können den Zugriff auf diesen lokalen Entwurf verhindern.

„CSV exportieren“ sichert Raumwerte, Temperaturen, Durchflüsse und Ventil-Prüfstände als Tabelle. „Drucken / PDF“ öffnet den Browser-Druckdialog mit einem Raumprotokoll und Platz für Messangaben. Prüfen Sie die Ausgabe und sichern Sie eine datierte Fassung selbst. Einen CSV-Import bietet dieses Werkzeug nicht; die Exportdatei stellt den bearbeitbaren Browserentwurf nicht automatisch wieder her.

Vom Rechenziel zum vollständigen Abgleich

Die 270,9 l/h unseres ersten Modells sind die Summe gleichzeitiger Auslegungswerte für drei Heizkörper. Sie bestimmen weder die Pumpenförderhöhe noch den Mindestvolumenstrom der Wärmepumpe. Bei schließenden Thermostaten, unterschiedlichen Heizkreisen und einer Abtauung können andere Betriebsbedingungen maßgeblich sein.

Das Verfahren rechnet näherungsweise mit Wasser ohne Glykol. Sole, andere Medien und besondere Betriebsbedingungen benötigen passende Stoffwerte. Auch bei Fußbodenheizungen reicht eine Raumlast allein nicht: Aufteilung auf Kreise, Längen, Druckverluste und zulässige Temperaturen sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Für Eigentümer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Raumprotokoll eine Vorbereitung für das Fachgespräch. Es ersetzt keinen vorgeschriebenen Förder- oder Abgleichnachweis. Lassen Sie Ventiltyp und Kennlinie, Auslegungswerte, Pumpeneinstellung sowie gemessene Durchflüsse dokumentieren. Dann steht neben der Zielzahl auch, wie sie an der tatsächlichen Anlage überprüft wurde.

Vom Lesen zum Prüfen

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Originalquellen

  1. 01Wärmepumpe.tech: tatsächliche Rechnerlogik, geprüft 06.11.2026
  2. 02Danfoss / Grundfos: Zweirohr-Heizsysteme, 10/2015, Druckseiten 8–9; Grundgleichungen
  3. 03Danfoss: RA-DV Datenblatt 12/2025, Seite 3; Regelzustände und Grenzen
  4. 04Danfoss: Durchflusseinsatz, 02/2009, Seite 1; Definition kv gegenüber kvs
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