Was Fraunhofer am 22. September vorgestellt hat
Fraunhofer ISE entwickelte gemeinsam mit Partnern des vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima geleiteten Projekts WESPE einen herstellerneutralen App-Prototyp für das SHK-Handwerk. Die Anwendung soll Arbeitsschritte verbinden, die heute oft in getrennten Werkzeugen und auf Papier erledigt werden.
Laut Institut hatten befragte Betriebe besonders an den Übergaben zwischen Bestandsaufnahme, technischer Planung und Angebot Aufwand. Im Projekt waren neben Forschungseinrichtungen auch 15 Handwerksbetriebe beteiligt. Die Meldung beschreibt ein Werkzeug aus der Entwicklung, nicht die Einführung einer schon flächendeckend verfügbaren Software.
Vom Heizraumscan zur möglichen Leitungsführung
Beim ersten Termin erfasst der Betrieb den Heizraum mit einem Tablet dreidimensional. Aus einer Datenbank wird ein passendes Anlagenschema gewählt; anschließend lassen sich wesentliche Komponenten virtuell im Raum anordnen. Die App berechnet einen kostenorientierten Verlauf der Rohrleitungen, der in einer erweiterten Ansicht geprüft und verändert werden kann.
Aus dem Modell können eine Materialübersicht und eine Schätzung der Installationszeit exportiert werden. Änderungen sollen später auch vom Büro aus möglich sein. Ziel ist, dass Aufmaß, Gespräch vor Ort und weitere Planung auf denselben Daten beruhen.
- Raum und bestehende Hindernisse erfassen
- Aufstellvarianten und Rohrwege sichtbar machen
- Bauteile, Materialbedarf und Zeitansatz weitergeben
Warum das für kleine Fachbetriebe interessant ist
Gerade bei Modernisierungen müssen Außengerät, Speicher, Hydraulik und bestehende Leitungen zusammenpassen. Ein Maßfehler oder übersehener Engpass kann zusätzliche Fahrten und Änderungen auf der Baustelle auslösen. Ein gemeinsames digitales Raummodell könnte diese Abstimmung verbessern.
Der Vorteil für Kundinnen und Kunden wäre vor allem ein verständlicherer Plan: Wo steht welches Bauteil, welche Leitung muss neu verlegt werden und was ist im Angebot enthalten? Ob sich dadurch Angebote tatsächlich schneller erstellen oder Anlagen günstiger montieren lassen, hat Fraunhofer in der Mitteilung nicht mit belastbaren Vergleichszahlen belegt.
Was die App nicht selbst nachweist
Ein 3D-Scan zeigt Platz und mögliche Leitungswege, aber nicht automatisch die passende Wärmepumpenleistung oder die Effizienz im Winter. Dafür braucht es unter anderem eine nachvollziehbare Heizlast, den Blick auf Heizflächen und Vorlauftemperaturen sowie ein vollständiges hydraulisches Konzept.
Auch Schall am Aufstellort, Elektroanschluss, Warmwasser, Zugänglichkeit für Service und die Herstellervorgaben müssen im konkreten Gebäude geprüft werden. Die von der App berechnete kostenorientierte Rohrführung ist ein Planungsansatz; die fachgerechte Ausführung bleibt die Verantwortung qualifizierter Planer und Installateure.
Virtuelle Platzierung ersetzt weder die technische Auslegung noch die Prüfung vor Ort.
Wie weit ist Heat Pump PlanAR vom Markt entfernt?
Nach Fraunhofer-Angaben können Softwareanbieter die Anwendung oder einzelne Bausteine übernehmen, weiterentwickeln und vermarkten. Positionierung von Komponenten und automatische Rohrwegplanung werden auch als lizenzierbare Dienste angeboten. Einen allgemeinen Verkaufsstart oder Preis nennt die Veröffentlichung nicht.
Zusätzlich zum App-Prototyp haben die WESPE-Partner einen Check und eine Wissensplattform für SHK-Betriebe angekündigt. Deren Start ist für den 5. Oktober 2026 vorgesehen. Das sind separate Angebote des Projekts und nicht der Nachweis, dass PlanAR bereits als fertige Handwerker-App verfügbar wäre.
Was Eigentümer schon heute verlangen können
Für ein konkretes Projekt muss niemand auf diese Software warten. Wer Angebote für eine Wärmepumpe einholt, kann schon heute ein dokumentiertes Aufmaß, ein Schema der Hydraulik, Angaben zu Aufstellort und Leitungswegen und eine klare Trennung von Geräte-, Elektro- und Montageleistungen verlangen.
Ein solcher Plan macht Änderungen und Mehrkosten nachvollziehbar, unabhängig davon, ob ein Betrieb ihn mit Tablet, CAD oder einer sorgfältigen Zeichnung erstellt. Entscheidend ist die Prüfbarkeit der Angaben – nicht die technische Darstellung allein.

