← Alle Meldungen

Kältemittel · DACH

R290-Wärmepumpen: Was neue Sicherheitsdaten über Propan zeigen

Propan (R290) setzt sich bei Wärmepumpen zunehmend durch: Das natürliche Kältemittel hat ein sehr niedriges Treibhauspotenzial, ist aber brennbar. Neue Feld- und Laborergebnisse aus dem internationalen IEA-HPT-Projekt 64 helfen, das Risiko konkreter einzuordnen. Sie zeigen typische Leckagestellen, die Ausbreitung am Boden und wirksame Gegenmaßnahmen – ohne aus einzelnen Versuchen eine pauschale Entwarnung oder ein Schreckensszenario abzuleiten.

Fachkraft prüft eine außen aufgestellte R290-Monoblock-Wärmepumpe mit einem mobilen Gasdetektor
Ein fachgerecht gewählter Aufstellort, die Herstellervorgaben und qualifizierter Service bilden gemeinsam das Sicherheitskonzept einer R290-Wärmepumpe. Die redaktionelle Illustration zeigt eine plausible Prüfsituation.
≤ 50 kW
Leistungsbereich der im Projekt betrachteten Heiz-, Kühl- und Warmwassersysteme in Wohngebäuden
1–5 %
Anteil der Servicefälle mit Leckage im Kältekreis, den rund 47 Prozent der Befragten meldeten
5 Versuche
experimentelle Kampagnen zur räumlichen Ausbreitung und Risikominderung bei austretendem R290
Veröffentlicht: 17.09.2026Lesezeit: 8 Min.
Porträt von Martin Kania
Fachlich eingeordnet vonMartin Kania

Heizung & Sanitär · Service · Projekt- & Bauleitung · über 30 Jahre Praxis · aktualisiert 17.09.2026

Praxisprofil ansehen

Kurz eingeordnet

Drei Punkte
ohne Schlagzeilenlärm.

  1. 01R290 verbindet ein sehr niedriges Treibhauspotenzial mit Brennbarkeit. Sicherheit entsteht deshalb durch ein geprüftes Gerät, den richtigen Aufstellort, die Einhaltung der Herstellervorgaben und qualifizierten Service.
  2. 02In einer österreichischen Befragung nannten rund 47 Prozent der Teilnehmenden Leckagen im Kältekreis bei nur ein bis fünf Prozent ihrer Servicefälle. Häufig genannt wurden Schraderventile, Bauteilanschlüsse und Verdampferwärmetauscher.
  3. 03Die Versuche bestätigen: Ausgetretenes Propan ist schwerer als Luft und kann sich bodennah sammeln. Vertiefungen, Öffnungen und Zündquellen im vorgegebenen Schutzbereich müssen deshalb bereits in der Planung berücksichtigt werden.

Warum R290 jetzt in den Mittelpunkt rückt

Propan ist ein natürliches, halogenfreies Kältemittel mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial. Das Umweltbundesamt weist außerdem darauf hin, dass bei seiner Freisetzung keine persistenten Abbauprodukte entstehen. In Deutschland werden R290-Wärmepumpen inzwischen für alle Wärmequellen angeboten.

Gleichzeitig verschärft die EU-F-Gas-Verordnung 2024/573 schrittweise die Rahmenbedingungen für teilfluorierte Kohlenwasserstoffe. Sie begrenzt verfügbare HFKW-Mengen und enthält je nach Gerätekategorie, Leistung und Treibhauspotenzial Verbote für neu in Verkehr gebrachte Wärmepumpen. Das beschleunigt den Wechsel zu Alternativen wie R290.

Klimaverträglich bedeutet jedoch nicht gefahrlos. Propan ist brennbar. Die richtige Frage lautet daher nicht, ob diese Eigenschaft existiert, sondern wie Gerät, Aufstellort, Installation und Service das Risiko auf ein akzeptables Niveau begrenzen.

Die Wahl des Kältemittels ist nur ein Teil der Anlagenbewertung. Effizienz, Schall, Leistung am Auslegungspunkt, Servicezugang und die konkrete Einbausituation bleiben ebenso wichtig.

Was das internationale Projekt tatsächlich untersucht

Das IEA-HPT-Projekt 64 läuft von April 2023 bis Ende Dezember 2026. Unter schwedischer Leitung arbeiten Fachleute unter anderem aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Südkorea und den USA an der sicheren breiteren Nutzung brennbarer Kältemittel.

Im Mittelpunkt stehen Heizungs-, Kühl- und Warmwassersysteme unter 50 Kilowatt in Ein- und Mehrfamilienhäusern. Ein besonderer Fokus liegt auf innen aufgestellten Geräten; Wartung und Lebensende werden ebenfalls betrachtet. Die Arbeit gliedert sich in sechs Aufgaben – von konstruktiver Risikominderung und Leckageszenarien über Detektion und reduzierte Füllmengen bis zur Risikobewertung.

Die im Juni 2026 präsentierten Resultate sind ausgewählte Zwischenstände. Abschlussberichte sollen bis Projektende folgen. Die Daten liefern deshalb wertvolle Planungsimpulse, sind aber weder eine vollständige Unfallstatistik noch ein Sicherheitsurteil über jedes am Markt verfügbare Modell.

Leckagen sind nicht der Normalfall – ihre Stellen wiederholen sich

Eine österreichische Onlinebefragung erfasste zwischen Oktober 2024 und März 2025 die Erfahrungen von Herstellern, Vertriebsunternehmen, Installations- und Servicebetrieben aus den vorangegangenen drei Jahren. Rund 47 Prozent der Befragten gaben an, dass Leckagen im Kältekreis nur bei ein bis fünf Prozent aller Servicefälle auftraten.

Das ist keine Aussage, dass ein bis fünf Prozent aller installierten Wärmepumpen undicht werden. Der Nenner sind Servicefälle der Befragten, und die Studie basiert auf gemeldeten Praxiserfahrungen statt auf einer vollständigen Erhebung des Anlagenbestands. Sie deutet auf relativ seltene, aber reale Ereignisse hin.

Als häufige Stellen wurden Schraderventile, Verbindungen zu Komponenten und Verdampferwärmetauscher genannt. Für die Praxis ist diese Wiederholung wichtiger als eine pauschale Prozentzahl: Konstruktion, Montagequalität, dokumentierte Dichtheitsprüfung und gezielte Schulung können genau an diesen Punkten ansetzen.

Die österreichische Befragung beschreibt Serviceerfahrungen bis 50 Kilowatt. Sie erlaubt keine universelle Ausfallquote für R290-Geräte, einzelne Hersteller oder andere Länder.

Warum sich Propan am Boden sammelt

In den räumlichen Versuchen schichtete sich R290 deutlich in Bodennähe, weil Propan schwerer als Luft ist. Eine undichte Stelle kann deshalb lokal eine höhere Konzentration erzeugen, während ein weiter oben montierter Sensor wenig misst. Genau diese räumliche Verteilung muss eine Risikobewertung abbilden.

Für einen Aufstellort sind damit nicht nur Abstände auf dem Papier relevant. Bodensenken, Lichtschächte, Kelleröffnungen, Abläufe und andere Wege in tiefer liegende Bereiche können entscheidend sein. Hinzu kommen mögliche Zündquellen innerhalb des vom Hersteller definierten Schutzbereichs.

Das Projekt empfiehlt bei Messunsicherheit eine konservative obere Grenze statt nur des Mittelwerts. Wenige Sensoren können die tatsächliche Größe eines zündfähigen Bereichs sonst unterschätzen. Für Eigentümer folgt daraus keine eigene Berechnung, sondern die Forderung nach einer nachvollziehbaren Planung nach Geräteanleitung und örtlichen Vorschriften.

Welche Schutzmaßnahmen die Versuche stützen

In fünf experimentellen Kampagnen wurden unter anderem ein geschlossener Raum, interne Durchmischung, Abführung nach außen, ein passiver Schacht und eine bodennahe Ableitung untersucht. Die Abführung ins Freie erwies sich im Versuchsaufbau als wirksamste Maßnahme. Eine gezielt konstruierte Bodenableitung konnte bei dem schweren Gas als passive Rückfallebene dienen.

Die interne Durchmischung beseitigte zwar die bodennahe Schichtung, vergrößerte vorübergehend aber das Volumen mit brennbarer Konzentration. Mehr Luftbewegung ist daher nicht automatisch gleichbedeutend mit weniger Risiko. Entscheidend ist, wohin das Gas gelangt und ob dort eine Zündquelle vorhanden sein kann.

Diese Laborbefunde sind keine Bauanleitung. Ein gewöhnlicher Bodenablauf darf nicht eigenmächtig als Sicherheitsmaßnahme interpretiert werden, weil er Gas in andere Räume oder Leitungen transportieren könnte. Schutzkonzepte müssen zum konkreten Gerät passen und von Herstellerangaben sowie geltenden Regeln gedeckt sein.

Ein Monoblock draußen vereinfacht die Situation – regelfrei ist er nicht

Bei einem typischen R290-Monoblock befindet sich der Kältekreis im Außengerät; ins Gebäude führen wasserführende Leitungen. Damit liegt kein vor Ort verlegter R290-Kältemittelkreis zwischen Außen- und Inneneinheit, und ein möglicher Austritt bleibt grundsätzlich im Freien.

Der Aufstellort muss trotzdem die modellspezifischen Vorgaben erfüllen. Hersteller können Schutzbereiche zu Fenstern, Türen, Lichtschächten, Lüftungsöffnungen, Grundstücksvertiefungen oder elektrischen Zündquellen festlegen. Füllmenge, Geometrie und Gerätekonstruktion beeinflussen diese Vorgaben; eine universelle Meterzahl gibt es nicht.

Zur Monoblockplanung gehört außerdem der Frostschutz der wasserführenden Außenleitungen. Das ist kein R290-Brandrisiko, aber ein eigenes Ausfallrisiko. Rohrführung, Dämmung, Hydraulik und Verhalten bei Stromausfall müssen deshalb zusammen mit der Aufstellung geklärt werden.

Was in einem belastbaren Angebot stehen sollte

Ein Angebot sollte Hersteller, exaktes Modell, Kältemittel und Füllmenge nennen. Für den vorgesehenen Standort braucht es eine Skizze oder eindeutige Beschreibung, in der Schutzbereich, Fenster, Türen, Lichtschächte, Abläufe, Geländevertiefungen und mögliche Zündquellen erkennbar sind.

Zusätzlich sollten Montage, Dichtheits- und Funktionsprüfung, Inbetriebnahmeprotokoll sowie die Qualifikation des Servicepartners beschrieben sein. Eigentümer können fragen, wer im Störungsfall am Kältekreis arbeiten darf und wie Ersatzteil- sowie Serviceverfügbarkeit geregelt sind.

Das Kältemittelsystem darf nicht in Eigenregie geöffnet werden. Bei Verdacht auf eine Störung gelten die Hinweise des Herstellers und des Fachbetriebs; mögliche Zündquellen sollten nicht betätigt werden. Konkrete Sicherheitsanweisungen aus der Gerätedokumentation haben Vorrang vor allgemeinen Internetempfehlungen.

  • Exaktes Gerät, R290-Füllmenge und Aufstellvariante
  • Hersteller-Schutzbereich im Lageplan
  • Öffnungen, Vertiefungen und Zündquellen am Standort
  • Frostschutzkonzept bei außen wasserführenden Leitungen
  • Prüfprotokolle, Einweisung und qualifizierter Kundendienst

Das Urteil: beherrschbar, wenn die Planung konkret wird

Die neuen Resultate sprechen weder für Alarmismus noch für Sorglosigkeit. R290 ist brennbar, doch das Risiko lässt sich mit geeigneter Konstruktion, begrenzter Füllmenge, korrekt gewähltem Aufstellort, klaren Schutzbereichen und qualifiziertem Service systematisch bearbeiten.

Besonders nützlich ist der Blick auf konkrete Fehlerorte und das tatsächliche Ausbreitungsverhalten. Er verschiebt die Diskussion von einem abstrakten Etikett – brennbar oder nicht – zu prüfbaren Planungsfragen am Gebäude.

Für die Kaufentscheidung bleibt deshalb ein einfacher Maßstab: Ein gutes R290-Angebot nennt nicht nur den Umweltvorteil des Kältemittels. Es zeigt ebenso nachvollziehbar, wie die Sicherheitsvorgaben am vorgesehenen Standort erfüllt werden.

Vor der Beauftragung

R290-Vorteil und Aufstellort gemeinsam prüfen.

Das Kältemittel ist nur dann eine gute Wahl, wenn Gerät, Schutzbereich und Gebäude zueinander passen und im Angebot eindeutig dokumentiert sind.

GrundlagenR290 und F-Gase verstehenOfferteWärmepumpen-Angebot prüfen

Originalquellen

Zahl und Aussage
selbst prüfen.

IEA HPT Project 64 – Ergebnisse des Sicherheits-Webinars vom 25. Juni 2026IEA HPT Project 64 – Projektlaufzeit, Ziele und TeilnehmerUmweltbundesamt – Wärmepumpen und natürliche KältemittelUmweltbundesamt – EU-Verordnung über fluorierte TreibhausgaseEUR-Lex – Verordnung (EU) 2024/573Illustration: Wärmepumpe.tech – Redaktionsstandard