Was die 53 Milliarden Kubikmeter wirklich bedeuten
Der neue Heat Pump Monitor der Internationalen Energieagentur schätzt, dass Wärmepumpen den Erdgasverbrauch in Europa, Japan und China 2025 um 53 Milliarden Kubikmeter verringert haben. Für 2024 nennt die IEA rund 50 Milliarden Kubikmeter. Die Wirkung wächst also mit dem installierten Bestand, auch wenn der Geräteabsatz nach dem Boomjahr 2022 vorübergehend schwächer wurde.
Die Zahl stammt nicht aus einem einzelnen Gaszähler. Sie ist das Ergebnis einer Modellrechnung: Die IEA vergleicht den Energieverbrauch der installierten Wärmepumpen mit dem Brennstoffbedarf alternativer Heizsysteme, die dieselbe Wärmemenge bereitstellen müssten. Das Ergebnis beschreibt eine vermiedene Nachfrage, keine physisch eingelagerte Gasmenge.
Ohne den heutigen Wärmepumpenbestand wäre der Gasverbrauch für Heizzwecke laut IEA in Europa um mehr als zehn Prozent höher. In Japan und China läge er jeweils ungefähr 35 Prozent höher. Die regionale Differenz entsteht unter anderem durch unterschiedliche Gebäudebestände, Heizsysteme, Klimazonen und Energiemixe.
Die Angabe von 53 Milliarden Kubikmetern gilt zusammen für Europa, Japan und China. Sie ist keine weltweite Gesamtzahl und keine gemessene Einsparung eines einzelnen Jahreszählers.
Global wichtig – aber noch längst nicht dominant
Trotz der großen absoluten Gasmenge lieferten Wärmepumpen 2024 erst rund fünf Prozent der weltweit benötigten Wärme. Betrachtet man nur die Raumheizung, lag ihr Anteil bei ungefähr zwölf Prozent. Das zeigt, warum dieselbe Technik zugleich als etabliert und als Wachstumsmarkt beschrieben werden kann.
Zum gesamten Wärmebedarf zählen neben Wohn- und Gewerbegebäuden auch Warmwasser, Prozesswärme und weitere industrielle Anwendungen. Gerade hohe Prozesstemperaturen werden bislang häufig direkt mit fossilen Brennstoffen erzeugt und sind nicht in jedem Fall mit heute verfügbaren Wärmepumpen wirtschaftlich zu ersetzen.
Auch geografisch ist der Markt ungleich verteilt. In Regionen mit langer Tradition elektrischer Heizung oder konsequenter Förderung ist der Anteil hoch. In anderen Ländern bremsen günstiges Gas, schwache Stromnetze, geringe Sanierungsraten oder fehlende Fachbetriebe den Wechsel.
Nach dem Boom kam die Stabilisierung
Der weltweite Wärmepumpenabsatz erreichte 2022 einen vorläufigen Höhepunkt. 2023 und 2024 kühlte der Markt ab, bevor sich die Verkäufe 2025 und im ersten Quartal 2026 nach Angaben der IEA stabilisierten. Hinter der globalen Linie stehen jedoch sehr unterschiedliche nationale Entwicklungen.
Hohe Finanzierungskosten, gesunkene Gaspreise, veränderte Förderprogramme und Unsicherheit über politische Regeln verschoben vielerorts Investitionen. Gleichzeitig wurden in mehreren großen Märkten weiterhin mehr Wärmepumpen als fossile Heizgeräte verkauft – darunter Frankreich, Deutschland und die Vereinigten Staaten.
Eine Absatzdelle bedeutet deshalb nicht, dass bereits installierte Anlagen ihre Wirkung verlieren. Sie senken den Brennstoffbedarf über viele Betriebsjahre. Für die Geschwindigkeit des weiteren Umbaus ist aber entscheidend, ob Neubau und Heizungstausch dauerhaft neue Geräte in den Bestand bringen.
Industrie und Wärmenetze sind die nächste Stufe
Der Wärmepumpenmarkt wird häufig auf Einfamilienhäuser reduziert. Die IEA sieht darüber hinaus erhebliches Potenzial in Gewerbe, Industrie und Wärmenetzen. Mit heute kommerziell verfügbaren Anlagen könnten technisch bis zu 20 Prozent des weltweiten industriellen Wärmebedarfs gedeckt werden.
Das größte kurzfristige Feld liegt bei niedrigen und mittleren Temperaturen: Trocknung, Waschen, Lebensmittelverarbeitung oder die Nutzung von Abwärme. Großwärmepumpen können außerdem Flusswasser, Abwasser, Rechenzentren oder industrielle Restwärme für Wärmenetze nutzbar machen.
Technisch möglich bedeutet nicht automatisch wirtschaftlich umgesetzt. Temperaturhub, Betriebsstunden, Stromanschluss, Wärmequelle und der Preis alternativer Brennstoffe müssen zusammenpassen. Bei Wärmenetzen kommen langfristige Abnahme, Netztemperatur und Investitionen in Leitungen hinzu.
Die IEA-Angabe von bis zu 20 Prozent beschreibt technisches Potenzial mit verfügbaren Anlagen. Sie ist keine Prognose für den tatsächlichen Marktanteil.
Mehr Strombedarf heißt nicht automatisch unbeherrschbare Spitzen
Mehr Wärmepumpen erhöhen den Stromverbrauch und können an kalten Tagen Lastspitzen verstärken. In den von der IEA untersuchten großen Märkten entspricht ihr heutiger Beitrag zur jährlichen Spitzenlast etwa zwei bis 16 Prozent. Die Spannweite zeigt, wie stark Klima, Gebäudestandard und Marktanteil das Netzprofil prägen.
Entscheidend ist nicht nur die zusätzliche Kilowattstunde, sondern ihr Zeitpunkt. Gut gedämmte Gebäude, Pufferspeicher, Warmwasserspeicher, variable Tarife und intelligente Regelung können einen Teil des Verbrauchs verschieben. Der Komfort muss dabei erhalten bleiben; pauschale Sperrzeiten sind kein Ersatz für eine saubere Netz- und Anlagenplanung.
Für Versorger wird die Kopplung von Wärmeplanung und Netzausbau wichtiger. Für ein einzelnes Gebäude bleibt die korrekte Auslegung zentral: Eine überdimensionierte Anlage mit häufigem Takten und unnötig hohen Vorlauftemperaturen belastet sowohl Rechnung als auch Netz stärker als nötig.
Preis, Fachkräfte und Lieferketten entscheiden
In vielen wichtigen Märkten kostet das Wärmepumpengerät laut IEA noch zwei- bis dreimal so viel wie eine fossile Alternative. Die Installation kann denselben Betrag wie das Gerät erreichen oder sogar überschreiten. Vergleichbar werden Angebote deshalb erst, wenn Elektroarbeiten, Wärmeverteilung, Speicher, Fundament, Schallschutz, Inbetriebnahme und Rückbau vollständig enthalten sind.
Die weltweite Produktionskapazität lag 2024 bei ungefähr 145 Gigawatt pro Jahr. China stellte rund 35 Prozent, die Vereinigten Staaten 25 Prozent und die Europäische Union 20 Prozent. Die Fabrikkapazität allein garantiert jedoch keinen schnellen Einbau: Planung, Installation und Service bleiben lokal.
Die Beschäftigung in der Branche ist seit 2015 um etwa 50 Prozent gewachsen. Trotzdem nennt die IEA fehlende qualifizierte Installateure als einen zentralen Engpass. Wachstum braucht daher nicht nur mehr Geräte, sondern Ausbildung, gute Planungsvorgaben und verlässliche Qualitätskontrolle.
Was der Weltbericht für ein einzelnes Haus bedeutet
Die globale Entwicklung beantwortet nicht, welches System zu einem bestimmten Gebäude passt. Vor einer Investition müssen Heizlast, notwendige Vorlauftemperatur, Leistung am Auslegungspunkt, Wärmequelle, Schall, Stromanschluss und Warmwasserbedarf geprüft werden.
Auch ein niedriger Angebotspreis ist ohne klaren Leistungsumfang wenig aussagekräftig. Entscheidend sind Modell und Leistungsdaten der Wärmepumpe, Nebenarbeiten, hydraulischer Abgleich, Regelung, Garantien sowie die Betreuung nach dem ersten Winter. Erst ein vollständiger Vergleich macht technische und finanzielle Unterschiede sichtbar.
Der Weltmarkt liefert dennoch einen wichtigen Kontext: Wärmepumpen sind keine experimentelle Lösung. Sie werden in großen Stückzahlen produziert, senken bereits heute den fossilen Energiebedarf und erschließen zunehmend größere Gebäude sowie industrielle Anwendungen.
Das Urteil: Die Technik ist da, die Umsetzung bleibt die Arbeit
Bei den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen erwartet die IEA für 2035 einen weltweiten Wärmepumpenabsatz, der rund 80 Prozent über dem Niveau von 2025 liegt. Werden angekündigte Maßnahmen vollständig umgesetzt, könnte sich der Absatz gegenüber 2025 mehr als verdoppeln.
Das ist keine automatische Erfolgsgarantie. Investitionskosten, Verhältnis von Strom- zu Brennstoffpreisen, Netzkapazität, Fachkräfte und verlässliche Regeln bestimmen, ob das technische Potenzial tatsächlich genutzt wird.
Die stärkste Botschaft des Monitors ist deshalb nicht eine einzelne Rekordzahl. Wärmepumpen wirken bereits im Energiesystem, ihr nächster Wachstumsschritt hängt aber von sehr praktischer Arbeit ab: finanzierbaren Projekten, vollständigen Angeboten, qualifizierter Installation und einem Betrieb mit niedrigen Systemtemperaturen.

