Was der Heizspiegel 2026 tatsächlich vergleicht
Der Name kann zunächst irritieren: Der Heizspiegel 2026 ordnet vor allem das bereits abgeschlossene Abrechnungsjahr 2025 ein. Daneben veröffentlicht co2online eine Prognose für die Heizkosten 2026. Die erste Zahl beschreibt damit einen ausgewerteten Datenstand, die zweite eine Erwartung auf Basis der angenommenen Preisentwicklung.
Die Verbrauchsdaten stammen aus zentral beheizten Wohngebäuden und werden nach Energieträger, Gebäudetyp und beheizter Fläche ausgewertet. Die Kostenwerte entstehen aus den ermittelten Verbrauchswerten und repräsentativen Energiepreisen. Raumwärme und zentrale Warmwasserbereitung sind enthalten.
Für Ein- und Zweifamilienhäuser werden Heiznebenkosten wie Wartung und Reparaturen nicht eingerechnet, weil dafür keine ausreichend einheitlichen Abrechnungsdaten vorliegen. Bei Mehrfamilienhäusern fließen durchschnittliche Heiznebenkosten ein. Schon deshalb ist der Heizspiegel eine Orientierung auf Gebäudeebene und keine vollständige Lebenszyklusrechnung.
Abrechnungsjahr 2025 und Prognose 2026 sind zwei unterschiedliche Datenstände. Die Prognose kann sich mit den tatsächlichen Energiepreisen noch verändern.
130 m² Einfamilienhaus: Wärmepumpe 2025 mit dem niedrigsten Wert
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern nennt co2online für 2025 Heizkosten von 1.260 Euro bei der Wärmepumpe. Holzpellets folgen mit 1.415 Euro. Erdgas und Fernwärme liegen jeweils bei 2.040 Euro, Heizöl bei 2.145 Euro.
Damit beträgt der Abstand zwischen Wärmepumpe und Ölheizung in diesem Vergleich 885 Euro pro Jahr. Gegenüber Erdgas sind es 780 Euro. Das ist keine errechnete Ersparnis für jedes einzelne Haus, sondern die Differenz zwischen den veröffentlichten Durchschnittswerten zweier Gruppen.
Für 2026 prognostiziert co2online 1.300 Euro für die Wärmepumpe, 1.740 Euro für Pellets, 1.930 Euro für Erdgas, 2.055 Euro für Fernwärme und 2.745 Euro für Heizöl. Besonders der erwartete Ölpreisanstieg vergrößert den Abstand: Zwischen Wärmepumpe und Heizöl lägen dann 1.445 Euro.
70 m² Wohnung: andere Beträge, gleiches Grundsignal
Für eine durchschnittliche 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus fallen die absoluten Beträge niedriger aus. Für 2025 nennt der Heizspiegel 715 Euro bei der Wärmepumpe, 735 Euro bei Holzpellets, 1.030 Euro bei Heizöl, 1.170 Euro bei Erdgas und 1.295 Euro bei Fernwärme.
In der Prognose für 2026 steigt die Wärmepumpe auf 735 Euro. Pellets werden mit 860 Euro, Erdgas mit 1.120 Euro, Heizöl mit 1.275 Euro und Fernwärme mit 1.310 Euro angesetzt. Auch in diesem Gebäudebeispiel bleibt die Wärmepumpe beim veröffentlichten Jahreswert vorn.
Die unterschiedliche Reihenfolge hinter der Wärmepumpe zeigt, warum ein einzelner bundesweiter Preis nicht genügt. Gebäudekategorie, Fläche, Verbrauch, Warmwasser, Netzgebiet und Tarifstruktur verändern das Ergebnis. Eine einzelne Wohnung darf zudem nicht direkt mit dem Wert eines gesamten Mehrfamilienhauses gleichgesetzt werden.
Warum Gas 2026 vorübergehend günstiger werden kann
Für Erdgas erwartet co2online 2026 zunächst einen leichten Rückgang. Als Grund wird unter anderem der Wegfall der Gasspeicherumlage genannt. Bei einem 130-m²-Haus sinkt der Prognosewert dadurch von 2.040 auf 1.930 Euro, bei der 70-m²-Wohnung von 1.170 auf 1.120 Euro.
Das ist noch keine langfristige Trendwende. Höhere Großhandelspreise können wegen laufender Verträge und Preisgarantien zeitversetzt bei Haushalten ankommen. Zudem bleiben CO₂-Kosten und künftige Netzkosten ein Unsicherheitsfaktor, wenn immer weniger Kunden ein Gasnetz finanzieren.
Heizöl reagiert direkter auf den aktuellen Beschaffungspreis. Für 2026 prognostiziert co2online deshalb einen deutlich stärkeren Anstieg. Bei Pellets verweist die Auswertung unter anderem auf ein begrenztes Rohstoffangebot infolge der schwachen Baukonjunktur. Ein günstiges Einzeljahr sollte daher nicht mit stabilen Kosten über die Lebensdauer einer Heizung verwechselt werden.
Warum die Wärmepumpe im Durchschnitt vorne liegt
Eine Wärmepumpe erzeugt die Nutzwärme nicht allein aus der bezogenen elektrischen Energie. Sie hebt zusätzlich Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser auf das benötigte Temperaturniveau. Je mehr Wärme pro Kilowattstunde Strom bereitgestellt wird, desto niedriger fallen die laufenden Energiekosten aus.
Entscheidend ist die reale Jahresarbeitszahl. Sie hängt unter anderem von der Wärmequelle, der Vorlauftemperatur, den Heizflächen, der Dimensionierung, der Hydraulik, den Abtauvorgängen und dem Anteil des Heizstabs ab. Eine gut ausgelegte Anlage mit niedrigen Systemtemperaturen kann deshalb deutlich anders abschneiden als eine ungünstig eingestellte oder zu groß dimensionierte Wärmepumpe.
Der Heizspiegel bildet diese Unterschiede als Verteilung realer Verbrauchsdaten ab, ersetzt aber keine Messung am eigenen Gebäude. Wer bereits eine Wärmepumpe betreibt, sollte Stromverbrauch und erzeugte Wärmemenge getrennt erfassen und daraus die tatsächliche Jahresarbeitszahl bestimmen.
Warum der niedrigste Jahreswert noch keine Kaufentscheidung ist
co2online weist ausdrücklich darauf hin, dass der Heizspiegel keinen Vollkostenvergleich liefert. Bei einem Heizungstausch müssen neben der Energie auch Anschaffung, Planung, Installation, Elektroarbeiten, mögliche Heizkörperanpassungen, Förderung, Finanzierung, Wartung und Reparaturrisiken berücksichtigt werden.
Auch bestehende Infrastruktur hat einen Wert. Ein noch funktionsfähiger Kessel führt zu einer anderen Entscheidung als eine akut ausgefallene Anlage. Umgekehrt können Tankrückbau, Schornstein, Gasanschluss oder künftig steigende Grund- und Netzkosten fossiler Systeme zusätzliche Ausgaben verursachen, die in einem reinen Jahresenergievergleich nicht vollständig sichtbar werden.
Für einen fairen Vergleich sollten alle Varianten über denselben Zeitraum gerechnet werden, beispielsweise 15 oder 20 Jahre. Erst die Summe aus Investition, Förderung, Finanzierung, Energie, Wartung und erwarteten Ersatzteilen zeigt, welche Lösung für das konkrete Gebäude wirtschaftlich tragfähig ist.
Niedrige Heizenergiekosten sind ein wichtiger Vorteil, aber nicht identisch mit den niedrigsten Gesamtkosten über die gesamte Nutzungsdauer.
So übertragen Eigentümer die Zahlen auf das eigene Haus
Der sinnvollste Ausgangspunkt ist nicht der bundesweite Durchschnitt, sondern die eigene Abrechnung. Idealerweise werden mindestens drei Jahre betrachtet, weil Wetter, Nutzerverhalten und Energiepreise stark schwanken können. Der Verbrauch sollte in Kilowattstunden und nicht nur in Euro verglichen werden.
Anschließend braucht es eine belastbare Heizlast sowie die tatsächlich erforderliche Vorlauftemperatur an kalten Tagen. Diese beiden Werte bestimmen wesentlich, wie groß eine Wärmepumpe sein muss und mit welcher Effizienz sie im vorhandenen Heizsystem arbeiten kann.
Für den Kostenvergleich sollten mindestens drei Szenarien gerechnet werden: heutige Preise, ein mittlerer langfristiger Verlauf und ein Stressfall mit höheren Brennstoff- oder Strompreisen. So wird sichtbar, ob eine Entscheidung nur unter einer einzigen günstigen Annahme funktioniert.
- Verbrauch der letzten drei Jahre in kWh zusammenstellen
- Warmwasseranteil und zusätzliche Wärmeerzeuger sauber abgrenzen
- Heizlast und nötige Vorlauftemperatur prüfen
- bei Wärmepumpen realistische Jahresarbeitszahl statt Prospekt-COP verwenden
- Investition, Förderung, Finanzierung, Wartung und Energie über denselben Zeitraum rechnen
- Preisrisiken mit mehreren Szenarien sichtbar machen
Bis 2045 wird das Preisrisiko wichtiger als ein einzelnes Jahr
Die neue Langfristprognose von co2online sieht für Gas- und Ölheizungen bis 2045 die Möglichkeit einer mehr als Verdopplung der Heizkosten. Als Treiber nennt die Organisation steigende CO₂-Kosten, höhere Netzentgelte und wachsende Anforderungen an erneuerbare Brennstoffanteile. Für Wärmepumpen wird ein deutlich langsamerer Kostenanstieg erwartet.
Solche Langfristprognosen sind keine Preisgarantie. Sie zeigen jedoch, welche Kostenarten systematisch zunehmen können. Gerade bei einer Heizung, die 15 bis 25 Jahre genutzt wird, ist diese Risikostruktur mindestens so relevant wie der Preis im ersten Betriebsjahr.
Der Heizspiegel sieht bei rund 90 Prozent der Haushalte noch Einsparpotenzial. Als durchschnittliche Größenordnung nennt co2online etwa 465 Euro pro Wohnung und 1.000 Euro pro Einfamilienhaus. Einfache Änderungen bei Heizen, Lüften und Warmwasser können demnach bis zu zehn Prozent Verbrauch reduzieren; größere Schritte erfordern Optimierung oder Modernisierung.
Die Einordnung: starkes Signal, aber kein Pauschalurteil
Der Heizspiegel 2026 liefert ein klares Ergebnis für die betrachteten Durchschnittsgebäude: Die Wärmepumpe weist sowohl im Abrechnungsjahr 2025 als auch in der Prognose für 2026 die niedrigsten laufenden Heizkosten der fünf verglichenen Systeme aus.
Daraus folgt nicht, dass jede vorhandene Heizung sofort ersetzt werden muss oder jede Wärmepumpe automatisch günstig läuft. Die Technik muss zum Gebäude passen, korrekt dimensioniert sein und mit möglichst niedrigen Systemtemperaturen arbeiten. Auch Stromtarif, Regelung und Nutzerverhalten bleiben relevant.
Für Eigentümer ist der Bericht deshalb am wertvollsten als Startpunkt: Er macht die Größenordnung und das Preisrisiko sichtbar. Die eigentliche Entscheidung entsteht erst aus den Daten des eigenen Hauses und einem vollständigen Kostenvergleich.

