575.000 Geräte: Was die Zahl aussagt – und was nicht
Die European Heat Pump Association meldet für Januar bis März 2026 rund 575.000 verkaufte Wärmepumpen in elf europäischen Ländern. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es etwa 494.000 Geräte. Auf identischer Länderbasis entspricht das einem Anstieg von 17 Prozent.
Die Zahl beschreibt Verkäufe, nicht zwingend bereits abgeschlossene Installationen. Sie ist außerdem keine Vollerhebung aller europäischen Staaten. Für eine saubere Einordnung zählen deshalb Berichtszeitraum, erfasster Länderkreis und Vergleichsbasis ebenso wie die Prozentzahl.
Trotz dieser Grenzen ist das Signal deutlich: Die Erholung, die 2025 begonnen hatte, setzte sich zu Jahresbeginn 2026 fort und gewann in den betrachteten Märkten an Tempo.
Zwischenstände können sich durch Nachmeldungen ändern. Der Vergleich von 575.000 zu 494.000 Geräten bezieht sich ausdrücklich auf dieselben elf Länder.
Die Erholung begann bereits 2025
Schon im Gesamtjahr 2025 waren die Verkäufe in zwölf von 16 durch EHPA untersuchten europäischen Märkten gestiegen. Zusammen kamen diese Länder auf rund 2,62 Millionen Geräte, nach 2,38 Millionen im Jahr 2024 – ein Plus von etwa zehn Prozent.
Damit folgte auf die schwache Phase in mehreren Märkten keine einheitliche Rückkehr zum früheren Wachstumstempo, wohl aber eine breite Stabilisierung. Das stärkere Plus im ersten Quartal 2026 zeigt, dass der Aufwärtstrend zunächst anhielt.
Die Bestandszahl ordnet die Größenordnung ein: EHPA bezifferte die Zahl installierter Wärmepumpen in Europa nach 2025 auf rund 28 Millionen. Der Markt wächst also auf einer bereits großen Basis, bleibt aber von Land zu Land sehr verschieden.
Deutschland, Frankreich und Polen ziehen an – Österreich bremst
Für Frankreich, Deutschland und Polen nennt EHPA im ersten Quartal 2026 einen durchschnittlichen Verkaufszuwachs von 25 Prozent. Die Quelle veröffentlicht an dieser Stelle keinen separaten Prozentwert für jedes der drei Länder; der Durchschnitt darf daher nicht als identische Entwicklung aller drei Märkte gelesen werden.
Österreich entwickelte sich in die entgegengesetzte Richtung. Dort sank der Absatz laut EHPA um 30 Prozent. Der Verband führt den Rückgang auf fehlende staatliche Zuschüsse zurück. Dadurch fiel das gesamte Plus der elf Märkte niedriger aus.
Der Vergleich zeigt den politischen Hebel: Technik, Gebäude und Klima ändern sich nicht innerhalb weniger Monate grundlegend. Förderkulisse und Erwartungssicherheit können Investitionsentscheidungen dagegen kurzfristig beschleunigen oder vertagen.
Die Einordnung zur Förderung stammt von EHPA. Sie zeigt einen plausiblen Zusammenhang, ersetzt aber keine unabhängige Ursachenanalyse jedes nationalen Marktes.
Warum der Strompreis über den Betrieb entscheidet
Eine Wärmepumpe nutzt Strom, um ein Mehrfaches davon als Wärme bereitzustellen. Ob sie im Betrieb gegenüber Gas attraktiv ist, hängt deshalb nicht allein von ihrer Effizienz ab, sondern auch vom Preisverhältnis der Energieträger.
EHPA verweist darauf, dass Strom in manchen Ländern steuerlich deutlich stärker belastet wird als Gas. Selbst effiziente Geräte können dadurch höhere laufende Kosten haben als technisch zu erwarten wäre. Der Verband sieht niedrigere Stromabgaben und stabile Förderprogramme als wichtige Gründe für die Markterholung 2025.
Für Haushalte bleibt die konkrete Rechnung lokal: Stromtarif, Gas- oder Ölpreis, realistische Jahresarbeitszahl, Wärmebedarf und Finanzierung müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein europäischer Absatztrend beantwortet nicht automatisch, welches Heizsystem im einzelnen Gebäude wirtschaftlich ist.
Energieversorgung wird wieder zum Kaufargument
Für das erste Quartal 2026 nennen nationale Fachleute neben Förderung auch steigende Energiepreise und die Sorge um Versorgungssicherheit als Kaufmotive. EHPA verbindet die stärkere Nachfrage insbesondere ab März mit der erneuten Unsicherheit an den Öl- und Gasmärkten.
Diese zeitliche Nähe ist ein Hinweis, aber kein Beweis für eine einzelne Ursache. Kaufentscheidungen entstehen aus mehreren Faktoren, und zwischen Angebot, Auftrag und gemeldetem Verkauf können Wochen liegen.
Die europäische Politik zielt zugleich auf eine geringere Abhängigkeit von importierten fossilen Energien. REPowerEU verbindet Energieeinsparung, diversifizierte Lieferwege und mehr heimische erneuerbare Energie. Elektrische Wärmepumpen passen in diese Strategie, wenn Stromnetz, Erzeugung und Gebäude gemeinsam weiterentwickelt werden.
Was der Vergleich für den DACH-Raum bedeutet
Deutschland und Österreich stehen im selben Quartal für zwei entgegengesetzte Bewegungen: In der Dreiergruppe mit Frankreich und Polen wächst der deutsche Markt, während Österreich deutlich verliert. Das spricht gegen die Vorstellung eines einheitlichen europäischen Wärmepumpenbooms.
Die Schweiz ist in der veröffentlichten EHPA-Zwischenbilanz zum ersten Quartal nicht einzeln ausgewiesen. Nationale Halbjahresdaten sollten deshalb separat betrachtet werden, statt den europäischen Durchschnitt auf den Schweizer Markt zu übertragen.
Für Hersteller und Handwerk bedeutet die Volatilität eine schwierige Kapazitätsplanung. Für Eigentümer ist sie ein Grund, Investitionen nicht allein nach kurzen Fördersignalen zu beurteilen: Heizlast, Vorlauftemperatur, Angebotspreis und erwartete Betriebskosten bleiben die tragfähige Basis.
- Förderbedingungen und Fristen vor Auftragserteilung prüfen
- Strom-, Gas- oder Ölpreis mit realistischen Verbrauchswerten vergleichen
- Jahresarbeitszahl nicht mit einem Labor-COP verwechseln
- mehrere technisch vergleichbare Angebote einholen
- Netzanschluss, Schall und hydraulische Einbindung früh klären
Das Urteil: Wachstum ist zurück, Stabilität noch nicht
Das Plus von 17 Prozent ist ein klares Erholungssignal. Zusammen mit dem Wachstum 2025 zeigt es, dass Europas Wärmepumpenmarkt die vorherige Schwächephase in vielen Ländern hinter sich lässt.
Die Gegensätze zwischen den Märkten sind jedoch ebenso wichtig wie die Gesamtrate. Österreichs Rückgang und die starke Dreiergruppe aus Frankreich, Deutschland und Polen zeigen, wie schnell sich Nachfrage mit Förderung, Energiepreisen und Vertrauen verändert.
Für eine dauerhafte Entwicklung braucht der Markt deshalb weniger kurzfristige Richtungswechsel und mehr planbare Rahmenbedingungen. Für einzelne Haushalte bleibt die Entscheidung trotzdem eine Gebäudefrage – nicht eine Abstimmung über europäische Verkaufszahlen.

