← Alle Meldungen

Strompreis · Schweiz

Schweiz 2027: Strompreise sinken – was bedeutet das für Wärmepumpen?

Eine Wärmepumpe macht den Strompreis zu einem Teil der Heizkosten. Laut ElCom sinkt der Schweizer Median 2027 um rund vier Prozent. Für Eigentümer ist das eine kleine Entlastung – aber keine Garantie, denn Energiepreis, Netzkosten, Messtarif und regionale Unterschiede entwickeln sich nicht überall gleich.

Stromleitungen verlaufen über einen nebligen Berghang als Symbol für das Schweizer Stromnetz und regionale Tarife
Stromleitungen in einer Berglandschaft. Das Symbolfoto zeigt Netzinfrastruktur, nicht die Tarifentwicklung einer einzelnen Schweizer Gemeinde. Foto: Giona Mason, Pexels.
26,5 Rp.
Median des gesamten Stromtarifs pro Kilowattstunde für das Haushaltsprofil H4 im Jahr 2027
−4 %
mittlere Veränderung gegenüber 2026
48–64 CHF
rechnerische Jahresentlastung bei 4.000 bis 5.330 kWh und 1,2 Rp. weniger je Kilowattstunde
Veröffentlicht: 16.09.2026Lesezeit: 7 Min.
Porträt von Martin Kania
Fachlich eingeordnet vonMartin Kania

Heizung & Sanitär · Service · Projekt- & Bauleitung · über 30 Jahre Praxis · aktualisiert 16.09.2026

Praxisprofil ansehen

Kurz eingeordnet

Drei Punkte
ohne Schlagzeilenlärm.

  1. 01Ein typischer Haushalt im ElCom-Profil H4 bezahlt 2027 im Median 26,5 Rappen pro Kilowattstunde. Das sind 1,2 Rappen oder rund vier Prozent weniger als 2026; die modellierte Jahresrechnung sinkt um 53 Franken.
  2. 02Überträgt man genau diese Preisänderung auf die Verbrauchsbeispiele von EnergieSchweiz, ergeben sich rechnerisch rund 48 Franken weniger für eine Erdsonden-Wärmepumpe und 64 Franken weniger für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe.
  3. 03Die Werte sind keine individuelle Prognose. Tarife unterscheiden sich je nach Gemeinde und Netzbetreiber erheblich, während Gebäudebedarf, Vorlauftemperatur und Anlagenbetrieb den Stromverbrauch bestimmen.

26,5 Rappen sind ein Median – kein Schweizer Einheitspreis

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom veröffentlichte am 8. September 2026 die Tarife der Grundversorgung für 2027. Rund 580 Netzbetreiber mussten ihre Preise bis Ende August melden. Für das Haushaltsprofil H4 mit 4.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt sich ein Median von 26,5 Rappen pro Kilowattstunde.

Gegenüber 2026 sind das 1,2 Rappen beziehungsweise rund vier Prozent weniger. ElCom beziffert die modellierte Jahresrechnung des H4-Haushalts auf 1.194 Franken – 53 Franken weniger als im Vorjahr.

Das Profil H4 beschreibt eine Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler, aber ohne Elektroboiler. Es ist deshalb kein spezielles Wärmepumpenprofil. Der veröffentlichte Wert eignet sich zur Markteinordnung, nicht als fertige Heizkostenrechnung für ein Einfamilienhaus.

Median bedeutet: Der Wert fasst viele unterschiedliche Tarife zusammen. Er gilt weder automatisch für jede Gemeinde noch für jedes Produkt des örtlichen Versorgers.

Energie wird günstiger, Netz und Messung werden etwas teurer

Der Rückgang kommt vor allem aus der Energiebeschaffung. Der Median des Energietarifs sinkt laut ElCom von 12,11 auf 11,35 Rappen pro Kilowattstunde, also um 6,28 Prozent. Bei vielen Versorgern laufen besonders teure Beschaffungsverträge aus.

Andere Bestandteile steigen dagegen. Der Netztarif erhöht sich im H4-Profil von 10,73 auf 10,94 Rappen pro Kilowattstunde. Der Messtarif wächst im Median von 74,40 auf 78,48 Franken pro Jahr. Der Netzzuschlag bleibt bei 2,3 Rappen pro Kilowattstunde.

Damit zeigt die Meldung mehr als eine einzige Prozentzahl: Der eigentliche Energieanteil sinkt deutlich, während Netz und Messung einen Teil der Entlastung wieder aufzehren. Welche Komponente bei einem konkreten Anschluss überwiegt, hängt vom lokalen Netzbetreiber und dessen Tarifblatt ab.

Was 1,2 Rappen weniger für eine Wärmepumpe bedeuten

EnergieSchweiz nennt für ein durchschnittlich gedämmtes Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern und einem Wärmebedarf von 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr zwei Orientierungswerte: etwa 5.330 Kilowattstunden Strom für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe und 4.000 Kilowattstunden für eine Erdsonden-Wärmepumpe.

Sinkt der lokale Arbeitspreis tatsächlich um dieselben 1,2 Rappen wie der Schweizer Median, ergibt die einfache Rechnung 5.330 × 0,012 Franken = 63,96 Franken. Bei 4.000 Kilowattstunden sind es 48 Franken. Gerundet wären das rund 64 beziehungsweise 48 Franken weniger pro Jahr.

Diese Rechnung isoliert nur die gemeldete Preisänderung. Sie setzt denselben Wärmebedarf, denselben Anlagenbetrieb und denselben vollständig verbrauchsabhängigen Preis voraus. Fixkosten, ein besonderer Wärmepumpentarif, Hoch- und Niedertarifzeiten, Photovoltaik und eine lokal abweichende Entwicklung können das Ergebnis verändern.

Die 48 bis 64 Franken sind eine transparente Modellrechnung von Wärmepumpe.tech – keine Prognose von ElCom oder EnergieSchweiz für einen einzelnen Haushalt.

Der größere Kostenhebel bleibt häufig der Verbrauch

Bei einer Wärmepumpe wirken Strompreis und Strommenge zusammen. Schon zehn Prozent Unterschied beim Verbrauch der beispielhaften Luft/Wasser-Anlage entsprechen 533 Kilowattstunden. Zum Medianpreis 2027 sind das rund 141 Franken – mehr als die rechnerische Entlastung durch 1,2 Rappen Tarifsenkung.

Das ist kein pauschales Einsparversprechen, sondern zeigt die Größenordnung. Heizlast, Vorlauftemperatur, Heizkurve, Warmwassersollwert, hydraulische Einbindung und der Einsatz des Elektroheizstabs können den Jahresverbrauch stärker beeinflussen als eine kleine Veränderung des landesweiten Medianpreises.

Eigentümer sollten deshalb nicht nur auf den Tarif schauen. Getrennte Verbrauchserfassung, sauber dokumentierte Einstellungen und ein Vergleich über mehrere Heizperioden zeigen, ob die Anlage effizient arbeitet oder lediglich von einem günstigeren Strompreis profitiert.

Warum der Wohnort wichtiger sein kann als der Schweizer Durchschnitt

ElCom weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tarife zwischen den Netzbetreibern teilweise erheblich variieren. Gründe sind vor allem unterschiedliche Beschaffungsstrategien und der Anteil eigener Stromproduktion. Eine nationale Prozentzahl kann deshalb lokale Preiserhöhungen und stärkere Senkungen gleichzeitig verdecken.

Auch bei den Messkosten ist die Spannweite groß: Für Haushalte reichen die gemeldeten Messtarife 2027 von null bis 180 Franken pro Jahr. Wer seine Heizkosten für das nächste Jahr abschätzen will, braucht daher den Preis des eigenen Versorgers und nicht nur den Schweizer Median.

Auf dem Strompreisportal der ElCom lassen sich Gemeinde, Netzbetreiber, Verbrauchsprofil und Tarifjahr vergleichen. Für die persönliche Rechnung sollte anschließend der tatsächliche Jahresverbrauch der Wärmepumpe eingesetzt werden – möglichst getrennt vom Haushaltsstrom.

Was Wärmepumpenbesitzer jetzt prüfen sollten

Der beste Vergleich beginnt mit der Abrechnung 2026, dem Tarifblatt 2027 und dem gemessenen Wärmepumpenverbrauch. Erst dann lässt sich erkennen, ob die eigene Preisänderung dem Median folgt und wie stark sie die Heizkosten tatsächlich verändert.

Bei separaten Wärmepumpentarifen gehören auch Sperrzeiten, Leistungspreise, Messkosten und Grundgebühren in die Rechnung. Ein niedriger Arbeitspreis allein macht ein Produkt noch nicht automatisch günstiger.

  • Tarif 2026 und 2027 beim eigenen Netzbetreiber vergleichen
  • Energie-, Netz-, Mess- und Grundkosten getrennt ansehen
  • Wärmepumpenstrom möglichst separat vom Haushaltsstrom erfassen
  • Hoch-, Nieder- und spezielle Wärmepumpentarife samt Sperrzeiten prüfen
  • Eigenverbrauch aus Photovoltaik nicht mit Netzstrom gleichsetzen
  • Heizkurve, Vorlauftemperatur und Heizstabeinsatz nach der Heizperiode auswerten

Das Urteil: Entlastung ja, aber keine Preiswende

Der mittlere Rückgang um vier Prozent ist für Schweizer Haushalte eine gute Nachricht. Für typische Wärmepumpenverbräuche bewegt sich der direkte Effekt der gemeldeten Senkung jedoch eher in einigen Dutzend als in mehreren Hundert Franken pro Jahr.

Entscheidend bleiben drei Werte: der Tarif am eigenen Anschluss, der tatsächliche Stromverbrauch und die erzeugte Wärmemenge. Wer nur den nationalen Median betrachtet, kennt weder seine kommende Rechnung noch die Effizienz seiner Anlage.

Für Wärmepumpenbesitzer lautet die nüchterne Einordnung deshalb: 2027 kann etwas günstiger werden. Eine gut geplante und sauber eingestellte Anlage bleibt für die laufenden Kosten aber wichtiger als die Schlagzeile über 1,2 Rappen.

Für das eigene Haus

Nicht mit dem Schweizer Median planen.

Setzen Sie den Verbrauch Ihrer Anlage und den Tarif Ihres Netzbetreibers ein. Prüfen Sie danach, ob Einstellungen und Systemtemperaturen unnötig Strom kosten.

VerbrauchWärmepumpen-Stromverbrauch einordnenBetriebAnlagenbetrieb systematisch prüfen

Originalquellen

Zahl und Aussage
selbst prüfen.

ElCom / Bundesrat – Leicht sinkende Strompreise 2027ElCom – Strompreise nach Gemeinde und NetzbetreiberEnergieSchweiz – Stromverbrauch und Kosten einer WärmepumpeSRF – Stromtarife 2027 und VerbrauchsprofileFoto: Giona Mason – Power Lines on a MountainPexels – Lizenz