26,5 Rappen sind ein Median – kein Schweizer Einheitspreis
Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom veröffentlichte am 8. September 2026 die Tarife der Grundversorgung für 2027. Rund 580 Netzbetreiber mussten ihre Preise bis Ende August melden. Für das Haushaltsprofil H4 mit 4.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt sich ein Median von 26,5 Rappen pro Kilowattstunde.
Gegenüber 2026 sind das 1,2 Rappen beziehungsweise rund vier Prozent weniger. ElCom beziffert die modellierte Jahresrechnung des H4-Haushalts auf 1.194 Franken – 53 Franken weniger als im Vorjahr.
Das Profil H4 beschreibt eine Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler, aber ohne Elektroboiler. Es ist deshalb kein spezielles Wärmepumpenprofil. Der veröffentlichte Wert eignet sich zur Markteinordnung, nicht als fertige Heizkostenrechnung für ein Einfamilienhaus.
Median bedeutet: Der Wert fasst viele unterschiedliche Tarife zusammen. Er gilt weder automatisch für jede Gemeinde noch für jedes Produkt des örtlichen Versorgers.
Energie wird günstiger, Netz und Messung werden etwas teurer
Der Rückgang kommt vor allem aus der Energiebeschaffung. Der Median des Energietarifs sinkt laut ElCom von 12,11 auf 11,35 Rappen pro Kilowattstunde, also um 6,28 Prozent. Bei vielen Versorgern laufen besonders teure Beschaffungsverträge aus.
Andere Bestandteile steigen dagegen. Der Netztarif erhöht sich im H4-Profil von 10,73 auf 10,94 Rappen pro Kilowattstunde. Der Messtarif wächst im Median von 74,40 auf 78,48 Franken pro Jahr. Der Netzzuschlag bleibt bei 2,3 Rappen pro Kilowattstunde.
Damit zeigt die Meldung mehr als eine einzige Prozentzahl: Der eigentliche Energieanteil sinkt deutlich, während Netz und Messung einen Teil der Entlastung wieder aufzehren. Welche Komponente bei einem konkreten Anschluss überwiegt, hängt vom lokalen Netzbetreiber und dessen Tarifblatt ab.
Was 1,2 Rappen weniger für eine Wärmepumpe bedeuten
EnergieSchweiz nennt für ein durchschnittlich gedämmtes Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern und einem Wärmebedarf von 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr zwei Orientierungswerte: etwa 5.330 Kilowattstunden Strom für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe und 4.000 Kilowattstunden für eine Erdsonden-Wärmepumpe.
Sinkt der lokale Arbeitspreis tatsächlich um dieselben 1,2 Rappen wie der Schweizer Median, ergibt die einfache Rechnung 5.330 × 0,012 Franken = 63,96 Franken. Bei 4.000 Kilowattstunden sind es 48 Franken. Gerundet wären das rund 64 beziehungsweise 48 Franken weniger pro Jahr.
Diese Rechnung isoliert nur die gemeldete Preisänderung. Sie setzt denselben Wärmebedarf, denselben Anlagenbetrieb und denselben vollständig verbrauchsabhängigen Preis voraus. Fixkosten, ein besonderer Wärmepumpentarif, Hoch- und Niedertarifzeiten, Photovoltaik und eine lokal abweichende Entwicklung können das Ergebnis verändern.
Die 48 bis 64 Franken sind eine transparente Modellrechnung von Wärmepumpe.tech – keine Prognose von ElCom oder EnergieSchweiz für einen einzelnen Haushalt.
Der größere Kostenhebel bleibt häufig der Verbrauch
Bei einer Wärmepumpe wirken Strompreis und Strommenge zusammen. Schon zehn Prozent Unterschied beim Verbrauch der beispielhaften Luft/Wasser-Anlage entsprechen 533 Kilowattstunden. Zum Medianpreis 2027 sind das rund 141 Franken – mehr als die rechnerische Entlastung durch 1,2 Rappen Tarifsenkung.
Das ist kein pauschales Einsparversprechen, sondern zeigt die Größenordnung. Heizlast, Vorlauftemperatur, Heizkurve, Warmwassersollwert, hydraulische Einbindung und der Einsatz des Elektroheizstabs können den Jahresverbrauch stärker beeinflussen als eine kleine Veränderung des landesweiten Medianpreises.
Eigentümer sollten deshalb nicht nur auf den Tarif schauen. Getrennte Verbrauchserfassung, sauber dokumentierte Einstellungen und ein Vergleich über mehrere Heizperioden zeigen, ob die Anlage effizient arbeitet oder lediglich von einem günstigeren Strompreis profitiert.
Warum der Wohnort wichtiger sein kann als der Schweizer Durchschnitt
ElCom weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tarife zwischen den Netzbetreibern teilweise erheblich variieren. Gründe sind vor allem unterschiedliche Beschaffungsstrategien und der Anteil eigener Stromproduktion. Eine nationale Prozentzahl kann deshalb lokale Preiserhöhungen und stärkere Senkungen gleichzeitig verdecken.
Auch bei den Messkosten ist die Spannweite groß: Für Haushalte reichen die gemeldeten Messtarife 2027 von null bis 180 Franken pro Jahr. Wer seine Heizkosten für das nächste Jahr abschätzen will, braucht daher den Preis des eigenen Versorgers und nicht nur den Schweizer Median.
Auf dem Strompreisportal der ElCom lassen sich Gemeinde, Netzbetreiber, Verbrauchsprofil und Tarifjahr vergleichen. Für die persönliche Rechnung sollte anschließend der tatsächliche Jahresverbrauch der Wärmepumpe eingesetzt werden – möglichst getrennt vom Haushaltsstrom.
Was Wärmepumpenbesitzer jetzt prüfen sollten
Der beste Vergleich beginnt mit der Abrechnung 2026, dem Tarifblatt 2027 und dem gemessenen Wärmepumpenverbrauch. Erst dann lässt sich erkennen, ob die eigene Preisänderung dem Median folgt und wie stark sie die Heizkosten tatsächlich verändert.
Bei separaten Wärmepumpentarifen gehören auch Sperrzeiten, Leistungspreise, Messkosten und Grundgebühren in die Rechnung. Ein niedriger Arbeitspreis allein macht ein Produkt noch nicht automatisch günstiger.
- Tarif 2026 und 2027 beim eigenen Netzbetreiber vergleichen
- Energie-, Netz-, Mess- und Grundkosten getrennt ansehen
- Wärmepumpenstrom möglichst separat vom Haushaltsstrom erfassen
- Hoch-, Nieder- und spezielle Wärmepumpentarife samt Sperrzeiten prüfen
- Eigenverbrauch aus Photovoltaik nicht mit Netzstrom gleichsetzen
- Heizkurve, Vorlauftemperatur und Heizstabeinsatz nach der Heizperiode auswerten
Das Urteil: Entlastung ja, aber keine Preiswende
Der mittlere Rückgang um vier Prozent ist für Schweizer Haushalte eine gute Nachricht. Für typische Wärmepumpenverbräuche bewegt sich der direkte Effekt der gemeldeten Senkung jedoch eher in einigen Dutzend als in mehreren Hundert Franken pro Jahr.
Entscheidend bleiben drei Werte: der Tarif am eigenen Anschluss, der tatsächliche Stromverbrauch und die erzeugte Wärmemenge. Wer nur den nationalen Median betrachtet, kennt weder seine kommende Rechnung noch die Effizienz seiner Anlage.
Für Wärmepumpenbesitzer lautet die nüchterne Einordnung deshalb: 2027 kann etwas günstiger werden. Eine gut geplante und sauber eingestellte Anlage bleibt für die laufenden Kosten aber wichtiger als die Schlagzeile über 1,2 Rappen.

